Tag: Ich
Mein verrückter Lese-Tag
Heute wachte ich auf und dachte: "Warum aufstehen, wenn
man auch lesen kann?"
Ich schnappte mir mein Lieblingsbuch, das "Die völlig unerklärliche
Explosion der sprechenden Bücher" heißt, geschrieben von Professor Dr.
Max Fantasius.
Schon beim ersten Blick aufs Cover fühlte ich mich leicht verwirrt, aber sehr neugierig. Ich setzte mich in meinen knarzenden Lieblingssessel, der bei jeder Bewegung protestierte, und machte es mir gemütlich. Neben mir stand mein treuer Begleiter, mein Hund Keks, der mich beim Lesen durch lautes Schnarchen motivierte.
Die erste Seite begann mit "An diesem Morgen lief absolut alles schief…“, und sofort dachte ich: "Oh oh, das wird chaotisch!" Die Hauptfigur, Berta, ist besonders schräg, weil sie mit Büchern spricht und sie frech zurückantworten. Besonders witzig fand ich, als ein Kochbuch plötzlich versuchte, ein Gedicht zu kochen. Ich konnte nicht aufhören zu lachen, besonders bei der Stelle, an der das Wörterbuch beleidigt davonrollte.
Zwischendurch snackte ich Chips, die lauter waren als meine Gedanken, was das Lesen noch krümeliger machte. Nach ein paar Stunden fühlte ich mich so belesen, dass mein Kopf rauchte, also beschloss ich, eine Pause zu machen und dramatisch aus dem Fenster zu starren und nichts zu tun.
Am Ende des Buches hoffe ich, dass alle Bücher wieder normal werden, sonst werde ich nie wieder einer Bücherei trauen. Dieses Buch würde ich auf jeden Fall jedem empfehlen, der lachen kann – es ist total bekloppt und großartig!
[Das ist ein Lückentext, die fettgedruckten Worte sind meine Eingaben ]
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Lies
den Lückentext der Woche (keine Ausreden!
).
Fülle die Lücken – spontan, kreativ oder völlig überdreht. Alles ist erlaubt!
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Also los – Tastatur warmmachen und zeigen, was in dir steckt!
Anne Seltmann 09.01.2026, 09.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL




Anne Seltmann 06.01.2026, 06.43 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


ich legte meine hände
unter die nacht
als wäre sie ein tier,
scheu
und von fernem wasser
der mond hing dort
nicht wie ein zeichen
sondern wie ein atem,
unentschlossen
zwischen gehen und bleiben
ich sagte nichts
damit er nicht kleiner wird
ich zählte nur die stellen
an denen das licht
nicht mehr wusste, wohin
später
war er schwerer als gedacht
schwer wie erinnerungen,
die man zu lange
im stillen dreht
ich trug ihn
ein stück durch die straßen,
über die dächer,
bis er anfing
mich zu tragen
und irgendwo
zwischen schatten und schlaf
ließ ich ihn los -
und die nacht
hüllte mich ein
und blieb
~*~

Anne Seltmann 05.01.2026, 05.02 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL


das boot
liegt am strand
die planken müde
vom salz und wind
kein mensch
kein laut
nur das weiche
rauschen der see
ich gehe näher
die einsamkeit
legt sich wie ein tuch
über meine schultern
ein moment
der bleibt
zwischen land und wasser
zwischen gehen
und ankommen
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 31.12.2025, 07.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

In einer stillen Straße, in der die Häuser im Winter eng nebeneinander standen, lebte ein Mädchen namens Agneta. Es war die Zeit, in der die Tage früh dunkel wurden - und manchmal fühlte sich Agneta so, als würde die Dunkelheit auch leise in die Herzen kriechen.
Eines Abends fiel der Strom aus. Kein Summen, kein Fernseher, kein warmes Lampenlicht. Nur Dunkelheit - dicht wie ein Mantel.
Agneta holte eine kleine Kerze aus der Schublade, stellte sie in ein Glas und zündete sie an. Ein winziger Flammenpunkt - aber plötzlich sah der Raum nicht mehr fremd aus. Die Schatten tanzten, als wollten sie sagen: "Wir sind nicht gefährlich. Wir gehören dazu."
Agneta stellte die Kerze ans Fenster.
Von draußen sah der Nachbarjunge Tim das Licht. Er fühlte sich allein und ein bisschen ängstlich, doch der warme Schein zog ihn an. Er klopfte. Leni öffnete, und gemeinsam setzten sie sich an den Tisch. Sie erzählten Geschichten. Sie lachten. Die Zeit verging.
Kurz darauf kam die ältere Frau aus dem Nachbarhaus vorbei, mit einem Teller Kekse. Sie hatte die Kinder gesehen—und plötzlich fühlte sie sich nicht mehr so einsam. Dann kam noch jemand. Und noch jemand.
Bald saßen sie zu fünft im Wohnzimmer, nur erleuchtet von einer einzigen Kerze. Keine Musik. Keine Lichterketten. Nur Stimmen. Wärme. Nähe.
Als der Strom später zurückkam, flackerte das Deckenlicht auf - grell und plötzlich. Agneta drehte es wieder aus.
"Das hier reicht" sagte sie und schaute auf ihre kleine Flamme.
Am nächsten Abend stellte sie wieder eine Kerze ins Fenster. Und am übernächsten. Irgendwann brannten an vielen Fenstern in der Straße kleine Lichter - nicht, weil der Strom fehlte, sondern weil jemand angefangen hatte.
Und manchmal, wenn jemand einen schweren Tag hatte, blieb er kurz stehen, atmete ruhig - und ging ein kleines bisschen leichter weiter.
Agneta begriff etwas Wichtiges:
Licht sein bedeutet nicht, heller zu sein als andere.
Es bedeutet, da zu sein - still, freundlich, zuverlässig.
Manchmal reicht eine winzige Flamme, damit jemand den Weg findet.
Und so brannte ihr kleines Licht weiter—nicht, um die
Dunkelheit zu vertreiben,
sondern um zu zeigen, dass niemand allein durch sie gehen muss.
Anne Seltmann 26.12.2025, 10.05 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wenn die Tage leiser werden
und das Licht weicher fällt,
möge ein Moment der Ruhe
bei euch einkehren.
Ich wünsche euch Weihnachten
mit kleinen Wundern,
warmen Gedanken
und Augenblicken,
die bleiben dürfen.
Danke, dass ihr hier lest,
mitgeht, innehaltet.
Möge euch das kommende Jahr
sanft begegnen.
Frohe Weihnachten!

Anne Seltmann 24.12.2025, 01.00 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Im tiefen Winterwald lag Schnee wie Zucker über den Fichten. Die Weihnachtsmaus stapfte vorsichtig durch den weißen Teppich, auf der Suche nach dem perfekten Baum. Endlich fand sie ihn: hoch und gerade, mit Ästen, die noch ungeschmückt in den Himmel ragten.
"So kann Weihnachten doch nicht beginnen", piepste sie, während sie die ersten glitzernden Kugeln hervorholte.
Plötzlich raschelte es im Unterholz, und ein Elch mit rotem Schal trat aus den Bäumen. Seine Geweihe funkelten ein wenig vom Frost. "Ich sollte eigentlich beim Schlitten helfen", murmelte er, "aber ich glaube, ich kann hier gebraucht werden."
Gemeinsam schmückten sie den Baum:
Die Maus kletterte flink an den unteren Ästen, ordnete Lametta und kleine Beeren. Der Elch reichte vorsichtig die Kugeln an die höheren Zweige, dass sie nicht zerbrachen.
Die Schneeflocken wirbelten um sie herum, wie ein leiser Applaus der Natur.
Sie lachten, als der Elch sich im Lametta verhedderte, und sie schwiegen ehrfürchtig, als die ersten Waldlichter am Abend die Kugeln zum Glitzern brachten. Am Ende trat der Elch einen Schritt zurück, die Maus richtete die letzten Äste.
Der Baum war nicht perfekt – aber warm, lebendig und voller Zauber.
"Weihnachten", flüsterte die Maus, "ist, wenn man zusammen schmückt, egal wie groß man ist." Der Elch nickte, und gemeinsam machten sie sich auf den Heimweg.
Am nächsten Morgen leuchtete der Baum zwischen den verschneiten Tannen, und der ganze Wald schien ein wenig fröhlicher zu atmen.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 23.12.2025, 15.19 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Am 12. August 2024 ging das von Jutta initiierte Projekt "Ich sehe rot" zu Ende – schade!
Für mich war das jedoch kein Grund, auf rote Motive zu verzichten.
So habe ich auch weiterhin rote Bilder aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen gesammelt.
Hier zeige ich euch meine Auswahl roter Werke
aus dem gesamten Jahr 2025.
Anne Seltmann 23.12.2025, 09.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Es gibt eine wahre Weihnachtsgeschichte von Lilija Tenhagen, die in den Anfängen der 70er Jahre spielt, als die damalige Sowjetunion versucht hat, Weihnachten abzuschaffen!
Ich habe dazu eine eigene Geschichte geschrieben:
Das Licht, das keiner verbieten konnte
Es war ein kalter Dezemberabend Ende der sechziger Jahre, und in einem kleinen lettischen Dorf zitterten die Fensterrahmen im Wind. Die Straßenlaternen flackerten, und das Dorf wirkte stiller als sonst. Weihnachten war offiziell verboten – die Kirchen hatten ihre Glocken verstummen lassen, und viele Familien wagten es kaum, Kerzen anzuzünden.
Doch im Haus der Familie Kalnins brannte heimlich ein kleines Licht. Die Großmutter hatte einen winzigen Tannenbaum aus dem Wald geholt, seine Zweige mit Beeren und selbstgebastelten Figuren geschmückt und auf den Tisch gestellt. Niemand sprach laut darüber, aber jedes Mal, wenn die Kinder den Raum betraten, leuchteten ihre Augen.
"Weißt du, warum wir das tun?" fragte die kleine Elīna und schaute ihre Großmutter an.
"Weil Weihnachten in unseren Herzen nicht verboten werden kann," antwortete die Großmutter sanft. "Solange wir glauben, solange wir lieben, kann uns niemand das Licht nehmen."
Am Abend klopfte es leise an der Tür. Zögernd öffneten sie – es war der alte Herr Berzins aus dem Nachbarhaus, der sonst kaum sprach. Er hatte ein kleines Geschenk in der Hand, eingewickelt in Papier von vergangenen Jahren. "Ich dachte, es wäre Zeit, dass wir zusammen Weihnachten feiern, wie wir es immer getan haben," murmelte er.
So saßen sie zusammen, leise singend, Geschichten erzählend, Kerzenflammen tanzten in ihren Augen. Draußen fegte der Wind, aber drinnen herrschte Wärme. Niemand hätte geglaubt, dass ein so kleines Licht eine solche Macht haben konnte – die Macht, Hoffnung zu schenken, Mut zu wecken und die Gemeinschaft zu spüren.
Und obwohl offiziell verboten, verbreitete sich die Freude leise von Haus zu Haus. Am Ende verstanden die Kinder: Weihnachten war nicht in den Gesetzen oder Dekreten eingeschlossen. Weihnachten lebte in jedem Lächeln, jeder Geste der Liebe und in jedem Licht, das man nicht auslöschen konnte.
In dieser Nacht, so erzählt man es noch heute, leuchteten nicht nur die Kerzen, sondern auch die Herzen eines ganzen Dorfes – und kein Verbot konnte sie stoppen.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 22.12.2025, 08.40 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der kleine Elch hieß Adrian, was er selbst für einen sehr erwachsenen Namen hielt, obwohl sein Geweih noch so kurz war, dass es eher wie zwei ehrgeizige Gedanken aussah. Das Problem – oder je nach Tagesform das große Glück – war: Adrians Geweih leuchtete.
Nicht stark. Nicht majestätisch.
Eher so wie eine vergessene Nachtlampe.
Das fiel erstmals auf, als Adrian sich abends im Wald verlaufen wollte (er war sehr gut darin, sich zu verlaufen) und plötzlich alle anderen Tiere stehen blieben.
"Warum ist es hier heller geworden?", fragte der Igel.
"Das bin ich", sagte Adrian entschuldigend und versuchte, den Kopf unter einen Farn zu stecken. Der Farn begann ebenfalls zu glimmen.
Von da an hatte Adrian ein Problem. Tarnung war unmöglich. Verstecken ebenso. Räuber sahen ihn schon von weitem und entschieden sich dann meist dagegen, weil niemand einem leuchtenden Elch traut. Das ist eine bekannte Regel im Wald.
Besonders schlimm wurde es nachts. Die Eulen beschwerten sich über Lichtverschmutzung, die Glühwürmchen fühlten sich in ihrer beruflichen Existenz bedroht, und einmal benutzte ein Wanderer Adrians Geweih, um eine Karte zu lesen.
"Ich bin kein Werkzeug!", rief Adrian empört, aber der Wanderer war schon weg.
Adrian versuchte alles: Schlamm, Moos, eine Mütze aus Birkenrinde. Nichts half. Sein Geweih leuchtete durch alles hindurch, freundlich, hartnäckig, ein bisschen stolz.
Irgendwann hörte Adrian auf, sich zu schämen. Er stellte sich an die dunkelste Stelle des Waldes und wartete. Nach und nach kamen die Tiere. Nicht, um ihn auszulachen – sondern um sich zu wärmen, Geschichten zu erzählen und endlich mal wieder etwas zu sehen.
Seitdem ist Adrian offiziell der Wald-Elch mit eingebauter Beleuchtung.
Er findet das okay.
Manchmal dimmt er sein Geweih.
Aber nur, wenn er schlafen will.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 19.12.2025, 07.48 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL