Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Ich

Freitag ist Fischtag N° 22



[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]


Der Markt war voller Stimmen, Gerüche und Farben. Zwischen den Ständen blieb eine junge Frau stehen, wo das Silber der Fische im Morgenlicht aufblitzte. Sie wählte sorgfältig, ließ sich Zeit, als würde jeder einzelne Fang eine kleine Geschichte in sich tragen. Mit einem Lächeln legte der Händler ihr die frischesten Exemplare in den Korb.

Als sie weiterging, spürte sie das Gewicht des Korbes wie ein Versprechen. Sie dachte an das Essen am Abend, an Freunde, die um den Tisch sitzen würden, an das leise Klirren von Gläsern und die Wärme von Kerzenlicht. Der Fisch war mehr als nur eine Mahlzeit – er war der Anfang eines Tages, der nach Gemeinschaft schmeckte.





Anne Seltmann 22.08.2025, 06.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vielleicht...






[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]





fließt der schmerz durch deine adern
wie farbe über leinwand


vielleicht wächst aus jedem stich
ein blumenmeer, das wunden deckt


vielleicht spricht die stille
von den träumen, die du niemals hattest


vielleicht tanzen kakteen
zwischen schatten und licht


vielleicht sind deine augen
fenster in eine welt
die bricht und heilt zugleich


vielleicht reicht ein blick
und wir sehen dein lachen
in jedem riss, in jeder linie


vielleicht ist jede narbe
ein flüstern, ein protest,
ein lied, das wir nicht vergessen


~*~

© Anne Seltmann









Anne Seltmann 17.08.2025, 00.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Schmetterling








gelber
filigraner
zitronenfalter
sonnenzartes
flattriges
wesen
anmutig
und hauchzart
dein gleiten
im wiesengrund

~*~

© Anne Seltmann




Anne Seltmann 16.08.2025, 15.20 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 21


[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]


Der Morgen lag still über dem Teich. Nebelfäden tanzten auf der Wasseroberfläche, und irgendwo in der Ferne sang eine Lerche. Auf langen, schlanken Beinen stand ein Storch regungslos im Teich . Er wirkte wie eine Statue aus Silber und Weiß, nur seine Augen blitzten wachsam, bereit, jede Bewegung unter der Wasserhaut zu erkennen.

Plötzlich blitzte etwas Goldenes auf. Ein Fisch – nein, ein Goldfisch – zog in eleganten Kreisen vor den Storch. Seine Schuppen funkelten im frühen Sonnenlicht, als hätte er kleine Sonnenstrahlen eingefangen. Der Storch beugte den Hals, bereit für einen schnellen Stoß.

"Warte!" rief der Goldfisch, und seine Stimme perlte wie Wasser über Kiesel. "Bevor du mich frisst, solltest du wissen, dass ich dir mehr geben kann als nur einen schnellen Bissen."

Der Storch blinzelte überrascht."Und was sollte das sein? Ich bin ein Storch – ich brauche Futter, nicht Geschichten."

"Geschichten sind manchmal wertvoller als Futter", erwiderte der Goldfisch und drehte eine glitzernde Pirouette. "Ich bin ein Wächter des Teiches. Wer mir zuhört, erfährt, wo das Wasser am klarsten, die Fische am zahlreichsten und die Ruhe am tiefsten ist. Ich könnte dir zeigen, wie du immer satt wirst – ohne jemals jagen zu müssen."

Der Storch legte den Kopf schief. "Und warum sollte ich dir glauben?"

"Weil du sonst nur mich bekommst", sagte der Goldfisch, "und ich bin winzig. Aber wenn du mich am Leben lässt, bekommst du den ganzen Teich."

Der Storch dachte nach. Der Gedanke an einen Teich voller Beute, der sich ihm bereitwillig zeigte, war verlockend. Schließlich richtete er sich auf, nahm einen Schritt zurück und lächelte – so gut ein Storch eben lächeln konnte.

"Gut, Goldener", sagte er. "Zeig mir den Teich."

Und so schwamm der Goldfisch voraus, während der Storch am Ufer folgte. Der Nebel wich, die Sonne stieg höher, und an diesem Morgen lernten beide etwas Neues: Der eine, dass Gnade mehr bringen kann als Gier, und der andere, dass selbst ein Storch zuhören kann, wenn die Geschichte gut genug ist.




Anne Seltmann 15.08.2025, 06.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Marius Nature Thursday N° 30












Wenn der Wind trägt

die luft voll mit feinem weiß

als hätte jemand vergessen

die schneekugel zu schütteln

und doch fliegt es

in richtungen, die wir nicht kennen


nur ein kurzes gelb darin

ein schatten aus brummen

der den staub der welt sammelt

ohne ihn zu besitzen


keine mitte

nur dieses kreisen um eine mitte

die vielleicht gar nicht da ist
und der wind, der nicht fragt, nur nimmt

nur trägt, nur verteilt


und die samenköpfe

leuchtend im gegenlicht

als stünden sie kurz davor, sich zu erinnern

was sie waren, bevor sie flug wurden


alles leicht

und trotzdem voller gewicht

als könnten diese kleinen schirme

die erde aus den angeln heben
während irgendwo

weit hinter den farben

ein nächster morgen wartet.


~*~

© Anne Seltmann












14.08.2025, 06.01 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

I see faces August 2025





[Eine Steckdose in Dänemark]




Mit der Steckdose auf Dänisch zu plaudern ist schwer – aber der Strom fließt trotzdem!








Anne Seltmann 10.08.2025, 06.46 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ich bin ich





[Dieses Bild von mir wurde mit einem Originalbild mit KI bearbeitet. 

Das Original diente als Referenz, und ich habe zusätzlich meinen eigenen Stil hinzugefügt.]



Ich bin ich

Ich bin die Ruhe vor dem Sturm,
der erste Schnee im sanften Reigen,
ein Universum, weit und fern,
ein Tropfen Tau
auf zarten Zweigen.

Ich bin das Lachen in der Nacht,
das Echo alter Melodien,
ein Traum, der sanft im Schlaf erwacht,
die Farben, die im Herbst verziehen.

Ich bin ich, in all dem Sein,
ein Puzzlestück im großen Ganzen,
ein Moment, vergänglich und doch rein,
ein Leben voller Wagnisse und Chancen.

So steh ich hier, in Zeit und Raum,
mein Herz ein Kompass auf der Reise,
ich bin ich – ein Name, ein Traum,
ein kleines Licht in weiter Kreise.

~*~


© Anne Seltmann









Anne Seltmann 09.08.2025, 06.47 | (7/5) Kommentare (RSS) | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 20




[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann] 



Stell dir vor, der Junge hieß Jona. Er hatte keine Ahnung, wie er auf diese Wolken gekommen war – eines Morgens wachte er einfach dort oben auf, weich eingebettet wie in das größte Federbett der Welt. In seiner Hand hielt er eine lange, schimmernde Angel, deren Schnur nicht ins Wasser, sondern ins Blau des Himmels reichte.

Um ihn herum schwebten Fische – nicht aus Fleisch und Schuppen, sondern aus glitzerndem Licht. Sie zogen ihre Kreise durch die Luft, als wäre das völlig normal, und manchmal streifte einer sanft seine Wange, wie um Hallo zu sagen. Jona angelte nicht, um sie zu fangen, sondern um mit ihnen zu reden. Jeder Fisch erzählte ihm eine kleine Geschichte, wenn er an der Schnur zupfte: von tiefen Meeren, in denen der Mond schläft, von Strömungen, die wie Lieder klingen, und von Reisen zu Orten, die kein Mensch je gesehen hat.

Und so saß Jona Tag für Tag dort oben, lauschte den Geschichten und ließ sie weiterziehen. Manchmal fragte er sich, ob er jemals wieder hinunter zur Erde gehen wollte – aber dann lächelte er. Denn er wusste: Solange die Wolken ihn trugen, würden die Fische ihm immer den Weg zu neuen Wundern zeigen.


© Anne Seltmann



Anne Seltmann 08.08.2025, 06.01 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday N° 29







pusteblumen
ein hauch von zeit
die nicht fragt
ob wir bereit sind

 

die luft trägt
fäden wie atemzüge
über grenzen von haut und blick
in felder hinein
die niemandem gehören

 

ich sehe dir nach
wenn du gehst ohne zu gehen
nur ein flüstern bleibt
zwischen finger und wind
ein fast-kontakt
der doch alles sagt

 

und irgendwann
wenn die samenkugeln leer
und der himmel voll davon ist
merken wir
dass nichts so leise bleibt
wie das was wir nicht festhalten können

~*~

© Anne Seltmann











07.08.2025, 06.55 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 234




[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]




Es war ein See, wie ihn nur Träume kennen: weich wie Seide, so still, dass jeder Laut verschluckt wurde, bevor er geboren war. Darauf schwamm ein kleines Boot, gefaltet aus Papier, zart und doch unerschütterlich. Darin saß ein Junge, barfuß, das Gesicht zum Himmel gewandt, als würde er auf ein Geheimnis warten, das nur für ihn bestimmt war.

Und dann kamen sie. Kraniche, Hunderte von ihnen, gefaltet aus den feinsten Geschichten der Welt. Sie flatterten herab wie lebendige Gedanken, trugen ein Flüstern in den Flügeln, das klang wie Hoffnung, wie ein Versprechen, das man nicht greifen konnte, aber spürte. Einer landete fast auf seiner Schulter, zögerte, und flog dann weiter, als hätte er nur prüfen wollen, ob der Junge wirklich da war.

Das Boot glitt weiter, ohne Ruder, ohne Kurs, getragen von etwas, das größer war als Wasser und Wind.

Der Junge blickte den Kranichen nach, wie sie weiterzogen, höher und höher, bis sie nur noch Punkte im Himmel waren. Er lächelte leise, als hätte er etwas verstanden, was man nicht in Worte fassen kann.



© Anne Seltmann









Anne Seltmann 06.08.2025, 11.11 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL