Blogeinträge (themensortiert)

Thema: AutorenPerlen

Mindset








Ich fragte einen weisen alten Mann,

in welchem Bereich ich eine große Karriere machen kann.

 

Er antwortete mit einem Lächeln:

"Sei immer ein guter Mensch.

In diesem Bereich gibt es viele Möglichkeiten

und nur wenig Konkurrenz!"


~*~


Verfasser unbekannt




Anne Seltmann 15.01.2024, 18.32 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Gedicht zum Thema Leben







Vor lauter Lauschen und Staunen sei still.

Du mein tieftiefes Leben;

Daß du weißt, was der Wind dir will.

Eh noch die Birken beben.

 

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,

Laß deine Sinne besiegen.

Jedem Hauche gib dich, gib nach,

Er wird dich lieben und wiegen.

 

Und dann, meine Seele, sei weit, sei weit.

Dass dir das Leben gelinge,

Breite dich wie ein Feierkleid

Über die sinnenden Dinge.


~*~


Rainer Maria Rilke






Anne Seltmann 04.01.2024, 15.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aus einem April...






Wieder duftet der Wald.

Es heben die schwebenden Lerchen

mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war;

zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, –

aber nach langen, regnenden Nachmittagen

kommen die goldübersonnten

neueren Stunden,

vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten

alle die wunden

Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen.

 

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser

über der Steine ruhig dunkelnden Glanz.

Alle Geräusche ducken sich ganz

in die glänzenden Knospen der Reiser.


 ~*~


Rainer Maria Rilke


[Das Buch der Bilder]




Anne Seltmann 29.12.2023, 09.14 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

An die Mutter






Wer Vertrauen hat, ist stark,

und diese stille Weihnachtsstunde

ist von denen, die Kraft verleihen

können, weil sie voll Wunder

sind und voll Geheimnis.


Und man muss nur still und

einsam und geduldig genug sein,

um die Gnade einer solchen Stunde

in sich aufzunehmen, die in viele

nicht eingeht, weil kleines

Geräusch in ihnen ist und keine

Ordnung.

 

~*~


Rainer Maria Rilke,

Brief an die Mutter,

20. Dezember 1903




Anne Seltmann 21.12.2023, 11.15 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die hohen Tannen








Die hohen Tannen atmen heiser

im Winterschnee, und bauschiger

schmiegt sich sein Glanz um alle Reiser.

Die weißen Wege werden leiser,

die trauten Stuben lauschiger.

Da singt die Uhr, die Kinder zittern:

Im grünen Ofen kracht ein Scheit

und stürzt in lichten Lohgewittern, –

und draußen wächst im Flockenflittern

der weiße Tag zur Ewigkeit.


~*~



Rainer Maria Rilke





Anne Seltmann 17.12.2023, 07.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Abend







Der Abend wechselt langsam die Gewänder,

die ihm ein Rand von alten Bäumen hält;

du schaust : und von dir scheiden sich die Länder,

ein himmelfahrendes und eins,  das fällt;

und lassen dich,  zu keinem ganz gehörend,

nicht ganz so dunkel, wie das Haus, das schweigt,

nicht ganz so sicher Ewiges beschwörend

wie das,  was Stern wird jede Nacht und steigt -

und lasssen dir ( unsäglich zu entwirrn )

dein Leben bang und riesenhaft und reifend,

so dass es,  bald begrenzt und bald begreifend,

abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn.

 

 ~*~


Rainer Maria Rilke 






Anne Seltmann 15.12.2023, 15.53 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Und der Mut ist so müde geworden...




Grafik © Anne Seltmann





…Und der Mut ist so müde geworden und die Sehnsucht so groß. 

Es gibt keine Berge mehr, kaum einen Baum. Nichts wagt aufzustehen. 

Fremde Hütten hocken durstig an versumpften Brunnen. Nirgends ein Turm.

Und immer das gleiche Bild. Man hat zwei Augen zu viel. 

Nur in der Nacht manchmal glaubt man den Weg zu kennen

Vielleicht kehren wir nächtens immer wieder das Stück zurück,

dass wir in der fremden Sonne mühsam gewonnen haben?

Es kann sein…



~*~


Rainer Maria Rilke






Anne Seltmann 15.12.2023, 07.32 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Es ist Advent







Die Blumen sind verblüht im Tal, die Vöglein heimgezogen;

Der Himmel schwebt so grau und fahl, es brausen kalte Wogen.

Und doch nicht Leid im Herzen brennt: Es ist Advent!


Es zieht ein Hoffen durch die Welt, ein starkes, frohes Hoffen;

das schließet auf der Armen Zelt und macht Paläste offen;

das kleinste Kind die Ursach kennt: Es ist Advent!


Advent, Advent, du Lerchensang von Weihnachtsfrühlingstunde!

Advent, Advent, du Glockenklang vom neuen Gnadenbunde!

Du Morgenstrahl von Gott gesandt! Es ist Advent!

 

~*~


Friedrich Wilhelm Kritzinger






Anne Seltmann 11.12.2023, 11.36 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Abends wenn es dunkel wird




[Mit Adobe Firefly erstellt]



Abends, wenn es dunkel wird,

und die Fledermaus schon schwirrt,

gehn wir mit Laternen aus,

in den Garten hinter'm Haus,

und im Auf- und Niederwallen

lassen wir das Lied erschallen:

Laterne, Laterne, Sonne, Mond

und Sterne!


Wie so lieblich aus dem Grün,

fern und nah die Lichter glühn,

schimmern auf den hellen Steig,

spiegeln sich im schwarzen Teich;

rosig aus dem Dunkel leuchtet

manche Blume thaubefeuchtet.

Laterne, Laterne, Sonne, Mond

und Sterne!


Plötzlich aus dem Wolkenthor

kommt der gute Mond hervor,

wandelt seine Himmelsbahn

als ein Hauptlaternenmann,

leuchtet bei dem Sterngefunkel

lieblich aus dem blauen Dunkel.

Laterne, Laterne, Sonne Mond

und Sterne!


Ei, nun gehen wir nach Haus,

blasen die Laternen aus,

lassen Mond und Sternlein

leuchten in der Nacht allein,

bis die Sonne wird erwachen,

alle Lampen auszumachen.

Laterne, Laterne, Sonne, Mond

und Sterne.

 

 ~*~


Heinrich Seidel (1842-1906)



Zum Mitsingen


gesungen von Jürgen Fastje




Anne Seltmann 15.11.2023, 10.44 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Blätter







Wie schön die Blätter älter werden. 

Voller Licht und Farbe sind ihre letzten Tage.


~*~

John Burroughs 

(1837 - 1921) 


US-amerikanischer literarischer Naturforscher






Anne Seltmann 08.11.2023, 08.33 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL