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Einträge vom: 26.01.2026

Miesepiet Teil IV.


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]




Obwohl Miesepiet ein kleines bisschen öfter lächelte, blieb ein Problem bestehen.
Seine Kleidung. Fand er!
Jeden Morgen hing sie da: die blauweiß gestreifte Matrosenkleidung. Fröhlich. Ordentlich. Viel zu gut gelaunt. Schon beim Anziehen verzog Miesepiet das Gesicht.
"Zu blau", murmelte er. "Viel zu blau."
Er versuchte es eine Weile tapfer. Aber irgendwann beschlossen die anderen Erdmännchen, ihm etwas Neues zu schenken. "Vielleicht braucht Miesepiet einfach eine andere Farbe", sagte seine Freundin Flitzeflink. Und so bekam er eines Tages ein grünes Outfit.
Grün wie Gras. Grün wie Hoffnung. Grün wie "Alles wird gut".
Miesepiet zog es an, betrachtete sich im Spiegel eines alten Blechtellers und seufzte.
Das Grün fühlte sich an, als würde es von ihm erwarten, fröhlich zu sein. Als müsste er wachsen, sich freuen, aufspringen. Das wollte er nicht. Er wollte einfach nur sein.
Also kam das nächste Geschenk.
Ein rosa Hemd. Ein rosa Schal. Ganz weich. Ganz lieb gemeint.
Miesepiet erschrak so sehr, dass er fast rückwärts vom Stein fiel. Rosa! Das war zu viel. Rosa fühlte sich an wie ein Dauerlächeln, das man nicht absetzen konnte. Er zog es sofort wieder aus und schüttelte sich.
"Nein", sagte er leise. "Das bin ich nicht."
Am nächsten Morgen machte Miesepiet etwas Ungewöhnliches. Er ging allein los, ein Stück weg vom Bau, dorthin, wo die Erde still und staubig war. Wo Steine lagen, alt und ruhig. Wo alles ein bisschen grau aussah.
Und da wusste er es.
Grau war perfekt.
Nicht traurig. Nicht fröhlich. Einfach ruhig. Grau versprach nichts und verlangte nichts. Grau war wie ein tiefer Atemzug.
Von diesem Tag an wollte Miesepiet alles grau haben.
Graue Hose. Graues Hemd. Graue Mütze. Sogar graue Socken.
Die anderen Erdmännchen wunderten sich. "Bist du jetzt noch mieser?", fragten sie vorsichtig.
Miesepiet schüttelte den Kopf.
"Nein", sagte er. "Jetzt passt es."
Und tatsächlich: Seit er grau trug, war Miesepiet nicht fröhlicher - aber zufriedener. Er schimpfte leiser. Er saß ruhiger auf seinem Stein. Manchmal setzte er seine graue Mütze auf, stieg in sein Boot und ließ sich treiben.
Denn Miesepiet hatte gelernt:
Man muss nicht bunt tragen, um glücklich zu sein.
Es genügt, die Farbe zu wählen, die dem eigenen Bauchgefühl folgt.


© Anne Seltmann



Anne Seltmann 26.01.2026, 17.15| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: AktuellePerlen

MosaicMonday 2026 N° 02




[Alle Bilder sind aus meinen Fotoarchiven, jedoch von mir mit Photoshop bearbeitet worden]



Faszination Windmühlen

Windmühlen faszinieren seit Jahrhunderten als Symbole für menschlichen Einfallsreichtum und die Nutzung natürlicher Kräfte. Sie verbinden Technik, Landschaft und Geschichte auf einzigartige Weise und prägen bis heute unser Bild von nachhaltiger Energie und traditionellem Handwerk.

Die ersten Windmühlen entstanden bereits vor über 1.000 Jahren, vermutlich im 7. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Persiens. Dort nutzte man sie zunächst zum Mahlen von Getreide und zum Bewässern. Von dort aus verbreitete sich die Technik über den arabischen Raum nach Europa, wo Windmühlen ab dem 12. Jahrhundert weiterentwickelt und perfektioniert wurden.

Einen einzelnen Erfinder gibt es nicht- die Windmühle ist das Ergebnis kollektiver Innovation über viele Generationen hinweg. Bis heute stehen sie für Fortschritt, Anpassung und die Kraft des Windes.









Anne Seltmann 26.01.2026, 09.32| (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL | einsortiert in: PerlenhafteProjekte | Tags: Mosaik Monday, Heidrun, Windmühlen,