Tag: Redewendungen

Es gibt Menschen, die können einfach kein Geheimnis für sich behalten.
Kaum erfahren sie etwas, wird telefoniert, geschrieben, weitergeflüstert oder – ganz modern – in den sozialen Medien geteilt. Früher nannte man das Tratschen. Heute heißt es oft: "Ich wollte es nur mal kurz erzählen..."
Doch woher kommt eigentlich die Redewendung „etwas an die große Glocke hängen?
Früher wurden wichtige Neuigkeiten tatsächlich mit Glockengeläut bekannt gemacht. Ob Markttag, Feuer, Hochwasser oder königlicher Besuch – wenn die große Glocke läutete, wusste jeder: Jetzt gibt es etwas Wichtiges!
In meiner Fantasie sieht das allerdings etwas anders aus.
Da steht ein kleiner Handwerker auf einer wackeligen Leiter. Vor ihm hängt eine riesige Glocke, größer als ein Haus. Mit ernstem Gesicht befestigt er sorgfältig ein Schild daran:
„Bitte weitersagen!
Ich stelle mir vor, wie die Leute stehen bleiben und rätseln.
"Was hängt denn da?"
"Keine Ahnung."
"Na, dann erzählen wir es erst einmal allen!"
Mission erfüllt.
Vielleicht wäre das sogar die ehrlichste Form von Klatsch. Nicht hintenherum tuscheln, sondern gleich alles offiziell an die größte Glocke hängen, die man finden kann.
Ob das allerdings jede Nachricht verdient?
Ich glaube nicht.
Manches darf ruhig leise bleiben.
Ein Sonnenuntergang braucht keine Schlagzeile.
Ein Kinderlachen keine Pressekonferenz.
Und ein selbst gebackener Apfelkuchen muss nicht in den Abendnachrichten auftauchen – obwohl ... darüber könnte man durchaus diskutieren.
Aber wenn ihr demnächst irgendwo eine riesige Glocke entdeckt, an der ein kleiner Handwerker gerade ein Schild befestigt, dann wisst ihr Bescheid.
Es ist wahrscheinlich wieder jemand unterwegs, der etwas an die große Glocke hängen möchte.
Und seien wir ehrlich ...
... ein kleines bisschen neugierig sind wir doch alle.
Anne Seltmann 23.07.2026, 07.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL