Tag: Leben

Rezension zu „491 Tage: In den Tunneln der Hamas von Eli Sharabi
Ich lese viel. Sehr viel. Bücher begleiten mich seit Jahren – durch ruhige Tage, lange Abende und unzählige Geschichten. Manche berühren, manche erschüttern, manche bleiben eine Weile im Kopf. Aber eines ist mir noch nie passiert: dass ich beim Lesen plötzlich weinen musste.
Bis zu diesem Buch.
Als ich die letzten Seiten von 491 Tage: In den Tunneln der Hamas von Eli Sharabi erreichte, geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich musste das Buch kurz aus der Hand legen, weil mir die Tränen kamen. Nicht nur ein flüchtiges Schlucken oder feuchte Augen – es war ein richtiger emotionaler Ausbruch. Eine Welle aus Traurigkeit, Mitgefühl und Fassungslosigkeit.
Vielleicht lag es daran, dass dieses Buch keine Distanz zulässt. Während des Lesens wird einem immer wieder bewusst, dass das hier keine erfundene Geschichte ist, kein literarisches Konstrukt, sondern das reale Erleben eines Menschen. Die Vorstellung, 491 Tage in den Tunneln der Hamas gefangen zu sein, ist kaum zu begreifen. Und doch schafft es Eli Sharabi, diese Zeit so zu schildern, dass man sie zumindest ahnen kann – die Dunkelheit, die Angst, die Hoffnung, die sich manchmal nur an winzige Momente klammert.
Was mich am meisten getroffen hat, war nicht nur das Leid selbst, sondern die Menschlichkeit, die zwischen den Zeilen sichtbar wird. Die Verletzlichkeit, die Würde, das Festhalten an einem inneren Kern, selbst unter Umständen, die kaum vorstellbar sind.
Als ich mich dem Ende näherte, spürte ich eine immer stärker werdende emotionale Spannung. Und dann, auf den letzten Seiten, brach etwas auf, das ich beim Lesen noch nie erlebt hatte. Ich weinte – nicht nur um das, was Eli Sharabi durchmachen musste, sondern auch um das Bewusstsein, wie zerbrechlich menschliches Leben und Sicherheit sein können.
Dieses Buch hat mich tief berührt. Es hat mich innehalten lassen. Und es hat mir gezeigt, dass Literatur – oder in diesem Fall ein Zeugnis – die Kraft hat, eine Tür zu öffnen, hinter der Empathie, Schmerz und Mitgefühl gleichzeitig stehen.
Ich habe schon viele Bücher gelesen. Aber noch keines hat mich so emotional überwältigt wie dieses.
Anne Seltmann 08.03.2026, 08.17 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Willensfreiheit + erleben + unlustig
Ich laufe durch einen langen weißen Flur. Ich sehe viele Türen links und rechts. Jede Tür ist mit einem Wort beschriftet: "Tun", "Lassen", "Zweifeln", "Gehen", "Bleiben".
Ich öffne "Tun". Dahinter: dieselbe Tür.
Ich öffne "Lassen". Dahinter: dieselbe Tür.
Ich öffne "Willensfreiheit" und stehe vor einem Spiegel. Ich sehe mich an, aber mein Spiegelbild blinzelt nicht mit.
Ich erlebe mich als Beobachter meines eigenen Wünschens.
Eine Stimme ruft: "Wähle!"
Ich rufe zurück: "Was?"
Die Stimme: "Alles."
Unlustig dreht sich der Flur im Kreis. Die Türen wandern, ich bleibe.
Am Ende wache ich auf – und frage mich, ob ich überhaupt geschlafen habe.

Anne Seltmann 04.07.2025, 07.43 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL


fröhlichkeit
eine zarte angelegenheit
keine gloriole
sondern das zittern
zwischen den takten
ein ewiger versuch
auf den eigenen füßen zu stehen
während das leben
unter ihnen schwankt
und die musik
mal flüstert
mal schreit
je mehr du willst
dass es richtig ist
desto härter
tritt dir der eigene fuß
in den schritt
und du stolperst
über das wort „soll“
glück
ein wort mit bedingung
braucht boden
licht
jemand
der die hand hält
wenn der raum sich leert
es ist schwer
leicht zu sein
wenn krankheit
an der tür lehnt
wenn angst
schon wieder im spiegel steht
wenn das wort "morgen"
zu groß ist für den mund
und doch tanzen manche
auf schutt
auf flucht
auf linoleum
manche tanzen allein
mit einem blick
der für zwei reicht
manche suchen noch
einen takt
der sie erkennt
einen körper
der mitgeht
ohne zu führen

Anne Seltmann 23.06.2025, 16.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL



Der Grüffelo – ein Monster, das man einfach mögen muss
Es gibt Bücher, die begleiten einen ein Leben lang – und dann gibt es Bücher, die begleiten gleich mehrere Generationen. Der Grüffelo von Julia Donaldson und Axel Scheffler gehört für mich eindeutig zu Letzteren. Dieses schelmische Wesen hat mich einfach um den Finger gewickelt.
Denn der Grüffelo ist nicht einfach nur ein Ungeheuer. Er ist Projektionsfläche, Erfindung und dann doch Wirklichkeit. Und eigentlich ist er nur der Rahmen für eine kleine Maus, die mit nichts als Witz und Mut einem Wald voller Fressfeinde trotzt. Diese Geschichte – charmant gereimt, klug gebaut und pointiert illustriert – ist so viel mehr als ein Kinderbuch. Sie erzählt davon, dass man auch als kleiner Mensch Großes erreichen kann. Dass Köpfchen manchmal mehr zählt als Kraft. Und dass sogar ein Monster sympathisch sein kann, wenn man es näher betrachtet.
Was mir besonders gefällt: Die Wiederholungen, die fast schon ein musikalisches Element in den Text bringen. Die Sprache fließt, ist eingängig – und gerade für Kinder ein Fest. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich mitspreche, wenn die Maus ihren berühmten Satz sagt: "Der Grüffelo? Sag, was ist das für ein Tier?"
Und jedes Mal, wenn ich die letzte Seite aufschlage und die Maus sich genüsslich ihre Nuss schmecken lässt, denke ich: Es braucht gar nicht viel. Nur eine gute Geschichte, ein bisschen Mut – und einen Grüffelo.
Mein Lese-Tipp für Eltern und Vorlesende:
Der Grüffelo ist mehr als ein Kinderbuchklassiker – es ist ein kleines
Kunstwerk mit großer Wirkung. Ideal zum Vorlesen ab etwa drei Jahren, eignet es
sich auch wunderbar für gemeinsame Lesemomente mit älteren Kindern, die den
feinen Humor und die cleveren Wendungen entdecken können. Die Reime bleiben im
Kopf, die Figuren im Herzen – und der Grüffelo sowieso. Wer ihn einmal
kennengelernt hat, wird ihn nie wieder vergessen.
Anne Seltmann 08.05.2025, 07.44 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der Krieg verändert, wie wir die Welt sehen, auf eine sehr tiefgreifende Weise. Wenn du die Zerstörung und das Leid direkt erlebst oder auch nur in den Nachrichten siehst, ist das nicht mehr dasselbe wie die Welt zu betrachten, wie sie vor dem Krieg war. Es gibt einen Moment, in dem alles, was zuvor normal war – das Lächeln eines Fremden auf der Straße, ein ruhiger Nachmittag – plötzlich schwer und von Angst durchzogen wirkt.
Bilder von Krieg, sei es in den Nachrichten oder in der Kunst, verändern den Blick, den wir auf die Welt werfen. Wir sehen plötzlich Dinge, die uns vorher vielleicht nicht aufgefallen wären: kaputte Häuser, Menschen, die um ihr Leben kämpfen. Diese Bilder bleiben hängen und setzen sich tief in unserem Gedächtnis fest. Sie werden zu einer Art „neuem Normal“, auch wenn sie so fremd und schmerzhaft sind.
Kurz gesagt: Der Krieg verändert nicht nur das, was wir sehen, sondern auch, wie wir die Welt insgesamt wahrnehmen.

* Katja Petrowskaja reflektiert in ihrem Buch Als wäre es vorbei Fotos und Erinnerungen an ihr von Zerstörung, Trauer und Gewalt heimgesuchtes Land, die Ukraine. Sie selbst sagt, dass ihre Texte ein Akt des Wiederstandes sind.
Man muss innhehalten, zwischen ihren Texten und den Bildern, die den Krieg nicht verkörpern und doch gehen sie tief ins Herz....sie lassen mich sprachlos zurück... genauso sprachlos wie jede Absurdität eines Krieges!
[*Namensnennung…unbeauftragt und unbezahlt]
13.03.2025, 08.32 | (0/0) Kommentare | TB | PL


Das Buch "Altern" ist eine persönliche, nachdenkliche und zugleich humorvolle Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Sie beschreibt nicht nur die körperlichen Veränderungen, sondern auch die emotionale und gesellschaftliche Seite des Alterns – mal mit Wehmut, mal mit Witz, aber immer ehrlich.
Das Buch ist keine resignierte Klage über den Verfall, sondern eine lebendige Reflexion darüber, was es bedeutet, alt zu werden: die Freiheit, nicht mehr alles mitmachen zu müssen, aber auch die Einsamkeit, wenn Weggefährten nach und nach verschwinden. Elke Heidenreich schildert ihre eigenen Erlebnisse, Erinnerungen und Beobachtungen mit ihrer typischen Mischung aus Schärfe und Charme.
Es ist ein Buch, das einen zum Nachdenken bringt – über die eigene Vergänglichkeit, aber auch darüber, wie man das Älterwerden annehmen und mit einer gewissen Leichtigkeit genießen kann.
Fazit: Ein lesenswertes Werk für alle, die sich mit dem Altern versöhnen wollen.Anne Seltmann 22.02.2025, 15.18 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Die Welt, das Leben – sie sind wie zwei Flüsse,
die sich mal sanft, mal wild ihren Weg bahnen.
In einem Moment scheint alles perfekt,
der Himmel klar, die Farben leuchten,
und du fühlst dich als Teil von etwas Größerem.
Aber dann, plötzlich, ist da diese Frage: "Ist es wirklich schön?"
Vielleicht ist es der ständige Wechsel zwischen Freude und Zweifel,
der uns diese Frage immer wieder stellen lässt.
Schönheit liegt nicht immer im Ungetrübten,
sondern oft in der Veränderung, im Wachsen, im Überwinden.
Vielleicht ist das Leben weniger ein statisches "schön" oder "nicht schön",
sondern ein ständiger Tanz aus beiden.
~*~

Anne Seltmann 24.01.2025, 10.29 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


Es ist dein Leben,
gewebt aus Momenten,
die leise verfliegen
und in der Stille verweilen.
Du gehst deinen Weg,
unbemerkt von der Welt,
hast Ziele, die sich
mit jedem Schritt verändern.
Es ist dein Leben,
gezeichnet von Entscheidungen,
die wie Schatten an dir haften,
und doch hast du die Macht,
die Richtung neu zu bestimmen.
Du bist der Wind in deinen Segeln,
und der Sturm in deinem Herzen.
Es ist dein Leben,
du kannst es leben, wie du willst.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 29.11.2024, 15.22 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


Das Leben, ein Fluss,
manchmal still, manchmal reißend.
Ein Netz aus Momenten,
zart wie Spinnweben, schwer wie Felsen.
Es trägt uns,
wir stolpern, fallen, stehen auf,
wandern durch Licht und Schatten,
immer suchend, nie stillstehend.
Ein Flüstern im Wind,
ein Herzschlag im Chaos,
unberechenbar,
doch voller Schönheit.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 27.11.2024, 07.50 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL
Welche drei Menschen bereichern aktuell dein Leben?
Heute ist meine Antwort kurz, denn dazu bedarf es nur wenige Worte!
Grundsätzlich mein Lieblingsmensch!
Aber neben ihm sind es unsere drei Enkelkinder.
Schön finde ich hier den Satz den Königin Silvia einmal in einem Interview gegeben hat "Enkelkinder sind das Dessert des Lebens" Welch schöne Betrachtungsweise!
Sie sind einfach ein kostbares Geschenk, dass das Leben in vielerlei Hinsicht bereichert! Und wenn man (wie wir) sie bedingungslos liebt, was kann es noch Besseres geben?
Anne Seltmann 01.07.2024, 17.11 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL