Tag: Ich

Waldausflug
Ich war in den letzten Tagen wieder im Wald. Eigentlich wollte ich nur spazieren, tief durchatmen, dem Alltag entfliehen. Doch kaum fünf Minuten drin, hatte ich das Gefühl... beobachtet zu werden.
Nicht von Menschen – nein, von Bäumen!
Da war eine alte Eiche, die sah mich an, als wüsste sie alles. Zwei Astknubbel als Augen, ein Rindenspalt als skeptisch hochgezogene Braue. Ich blieb kurz stehen, sagte höflich "Guten Tag".
Man will ja nicht unhöflich sein, wenn man schon Paranoia hat.
Weiter hinten, eine Birke – ganz eindeutig am Kichern. Ich bin mir sicher, sie flüsterte der Buche neben sich etwas zu. Und dann dieses schmatzende Geräusch aus dem Laub. Ein geheimer Gruß? Ein Morsecode aus Moos?
Ich weiß nicht, ob ich verrückt bin – oder nur besonders empfänglich für Baumkommunikation. Jedenfalls: Ich liebe es. Der Wald hat Humor. Und ziemlich viele Gesichter.
Morgen geh ich wieder hin. Vielleicht antwortet einer endlich.

Anne Seltmann 06.07.2025, 08.21 | (9/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Eines Morgens, beim dritten Kaffee und mit nur einem Socken
am Fuß, fiel mir auf:
Irgendwas fehlt.
Nicht der zweite Socken – der war wie immer auf geheimer Mission im
Paralleluniversum der Waschmaschine. Nein.
Es war… die Zeit.
Sie war weg.
Einfach verschwunden, ohne Abschiedsbrief, ohne
Postkarte aus der Karibik. Ich durchsuchte meine To-do-Liste (ungelesen), meine
Küchenschublade (voller Gummibänder und Quittungen von 2017) und sogar unter
dem Sofa (da wohnt seit Jahren ein Wollmäuschen namens Günther). 
Keine Spur von ihr.
Ich rief bei der Zentrale für Verlorene Zeit an. Eine
freundliche Stimme mit leichtem Ticken im Hintergrund sagte:
"Sie haben leider außerhalb unserer Öffnungszeiten angerufen. Die liegen
zwischen 13:00 und 13:02 Uhr. Bitte versuchen Sie es gestern erneut."
Also machte ich mich selbst auf die Suche.
Ich reiste durch Kalenderblätter, kletterte über verstaubte Termine und sprang
durch verpasste Verabredungen. Nichts. Nur ein Echo, das „gleich, gleich“
flüsterte.
Schließlich traf ich sie – die Zeit – in meiner alten
Jogginghose auf dem Dachboden.
Sie kaute gemütlich auf einem Gummibärchen und sagte seufzend:
"Ich hab dich soooo oft gefragt, ob du kurz einen Moment für mich hast… aber du
warst ja immer beschäftigt. Tja – und dann dachte ich mir: Dann nehm ich
mir jetzt mal frei. Schön war's! Ich war sogar in Paris."
Ich kratzte mich am Kopf.
"Und… jetzt? Kommst du zurück?"
Die Zeit lachte.
"Klar. Aber du weißt ja, wie ich bin – ich renne, ich fliege, ich vergeh… also:
Nutze mich, solange ich da bin. Sonst versteck ich mich wieder – im nächsten * Netflix-Marathon."
Seitdem halte ich sie fest, diese flüchtige Zeit.
Mit Klebezetteln, Kaffeeduft und einer Prise Humor.
Und manchmal…
verstecke ich mich vor ihr. 
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 03.07.2025, 17.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wenn der Sommer leise an die Tür klopft und die ersten Radieschen rotwangig aus der Erde blinzeln, ist es Zeit für Leichtigkeit auf dem Teller. Dieses Rezept ist eine kleine Ode an den Garten – an die Frische, an die Farbe und an die Lust auf einfache Genüsse. Radieschen treffen auf die spritzige Klarheit von Zitrone, cremigen Feta und einen Hauch Minze, der wie ein leiser Wind durch das Aroma streicht. Schnell gemacht, herrlich erfrischend.
Serviere diesen Salat als leichten Auftakt zu einem Sommerabend, als frische Beilage zum Grillen oder einfach pur – mit einem Stück knusprigem Brot und der Vorfreude auf den nächsten sonnigen Tag.
Radieschen-Zitronen-Salat mit Feta und Minze
Zutaten (für 2–3 Personen)
– 1 Bund Radieschen
– 1 kleine rote Zwiebel
– 100g Feta
– 1 Bio-Zitrone (Saft und etwas Schale)
– 1 EL Olivenöl
– Salz, Pfeffer
– einige Blätter
frische Minze (alternativ Petersilie)
Zubereitung
Tipp
Schmeckt super zu gegrilltem Fleisch, als Beilage zu Ofenkartoffeln oder einfach mit knusprigem Baguette.
Anne Seltmann 01.07.2025, 06.04 | (0/0) Kommentare | TB | PL

561. Setzt du dir Regeln, die du dir selbst ausgedacht hast?
Manchmal schon…
562. Bedauerst du etwas?
Nein!
563. Welchen Zeichentrickfilm magst du am liebsten?
Cinderella
564. Was würdest du deinem Kind gern fürs Leben mitgeben?
Sei du selbst – du bist genug.
Hab keine Angst vorm Scheitern – du lernst dabei.
Hör auf dein Herz, aber vergiss den Kopf nicht.
Behandle andere mit Respekt – auch wenn sie anders sind.
Bleib neugierig – das Leben ist voller Wunder.
Zeig deine Gefühle – sie machen dich stark.
Und vergiss nie: Du darfst leuchten.
565. Welches Buch hast du in letzter Zeit mit einem tiefen Seufzer zugeklappt?
* "Die verlorenen Blumen der Alice Hart"
566. Würdest du gern wieder in einer Zeit ohne Internet leben?
Nein, aber ich nehme mir gerne hin und wieder mal eine Auszeit.
567. Wann hast du zuletzt ein Bild ausgemalt?
Letzte Woche mit meiner Enkelin
568. Wer war deine Jugendliebe?
Mein Lieblingsmensch an meiner Seite
569. Für wen hast du zuletzt Luftballons aufgeblasen?
Für einige Hortkinder
570. Wie würden andere Personen deine Wohnung beschreiben?
Sehr maritim!
Anne Seltmann 29.06.2025, 09.25 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Dieses Zitat öffnet ein stilles Fenster zu einer tiefen Wahrheit: Es verbindet die äußere Erscheinung der Kraniche – ihre Anmut, ihre weiten Flüge, ihr Innehalten – mit inneren menschlichen Empfindungen wie Sehnsucht, Wandlung und Geborgenheit.
Zeile für Zeile betrachtet:
"Kraniche erinnern uns daran,"
Die Kraniche werden hier als Spiegel der Erinnerung und der Naturerfahrung eingeführt – als Boten, nicht laut, nicht aufdringlich, sondern leise mahnend, fast spirituell. Sie sind Sinnbilder für etwas Größeres – vielleicht für zyklische Wiederkehr, Beständigkeit trotz Wandel, oder die Poesie im Alltäglichen.
"dass selbst in der Stille Bewegung wohnt –"
Diese Zeile spricht von jener feinen Form von Bewegung, die nicht äußerlich sichtbar ist: inneres Reifen, geduldige Veränderung, das unsichtbare Wandern der Gedanken oder Gefühle. Es ist eine Einladung, Stille nicht als Starre zu begreifen, sondern als lebendige Tiefe. Wie ein Kranich, der scheinbar reglos steht, aber doch jederzeit bereit ist, sich zu erheben.
"und in der Ferne ein Zuhause."
Die letzte Zeile berührt ein zentrales menschliches Gefühl: das Paradox von Fremde und Heimat. Die Ferne, oft Sehnsuchtsort, wird hier nicht als Entfremdung dargestellt, sondern als möglicher Ort der Ankunft. Kraniche sind Zugvögel – sie verlassen Orte, ohne sie aufzugeben. In ihrem Flug liegt die stille Gewissheit, dass Heimat nicht immer ein fester Ort ist, sondern etwas, das man mit sich trägt – manchmal in der Ferne stärker als in der Nähe.
Anne Seltmann 28.06.2025, 06.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Dort, wo die Felder flüstern und der Wind Geschichten sammelt, lebte ein kleines Mädchen mit wilden Haaren und einem Namen, den niemand kannte. Die Menschen im Dorf nannten sie nur Korngold – weil sie immer ein paar Ähren in den Taschen trug und in ihren Stiefeln manchmal auch Maiskolben steckten, als hätte sie dem Sommer das letzte Lächeln geklaut.
Korngold war nicht wie die anderen Kinder. Ihre Stiefel waren drei Nummern zu groß und klapperten bei jedem Schritt wie die Uhren der alten Zeit. Doch sie mochte sie so – denn sie glaubte, in ihnen liege ein Stück der Vergangenheit verborgen. Vielleicht sogar ein Stück ihres Traums.
An diesem Tag fiel das allererste Schneeflöckchen vom Himmel. Es tanzte leise, drehte sich einmal um sich selbst – und landete direkt auf ihrer Nase.
Korngold hielt den Atem an.
"Bist du der Anfang?" flüsterte sie.
Das Flöckchen antwortete nicht, aber die Maiskolben in ihren Stiefeln begannen leicht zu schimmern, als spürten sie den Zauber.
Ein leises Leuchten, warm wie Kindheit. Wie Hoffnung.
Korngold wusste: Auch wenn der Winter kam, würde das Korn in ihr nie ganz schlafen gehen. Und solange sie ging – mit ihren großen Stiefeln, ihrem stillen Mut und ihren leuchtenden Augen – würde der Sommer in ihr weiterflüstern.
So ging sie los.
Klein.
Zart.
Aber voller Wunder.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 27.06.2025, 16.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL



Marienkäferprotokolle
es war ein punkt
ein roter, bewegter punkt auf der haut des morgens
eine falte im blattlicht,
eine verirrung zwischen ahnung und wind
du zähltest die punkte
als sei zählen ein schutz
gegen das ungefähre, das sich auf deine hand setzte
leicht wie eine möglichkeit
marienkäfer –
keine käfer, keine heiligen
nur schalen aus rot und versprechen
mit flügeln aus flucht
du sagtest: sie bringen glück
ich sah: sie trugen nichts außer flug
und ein winziges zittern
sie blieben nie lang
aber lange genug
um uns etwas zu zeigen
was wir nicht benennen konnten
nur befühlen

Anne Seltmann 26.06.2025, 00.00 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL


fröhlichkeit
eine zarte angelegenheit
keine gloriole
sondern das zittern
zwischen den takten
ein ewiger versuch
auf den eigenen füßen zu stehen
während das leben
unter ihnen schwankt
und die musik
mal flüstert
mal schreit
je mehr du willst
dass es richtig ist
desto härter
tritt dir der eigene fuß
in den schritt
und du stolperst
über das wort „soll“
glück
ein wort mit bedingung
braucht boden
licht
jemand
der die hand hält
wenn der raum sich leert
es ist schwer
leicht zu sein
wenn krankheit
an der tür lehnt
wenn angst
schon wieder im spiegel steht
wenn das wort "morgen"
zu groß ist für den mund
und doch tanzen manche
auf schutt
auf flucht
auf linoleum
manche tanzen allein
mit einem blick
der für zwei reicht
manche suchen noch
einen takt
der sie erkennt
einen körper
der mitgeht
ohne zu führen

Anne Seltmann 23.06.2025, 16.37 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Diese Geschichte hat sich tatsächlich so zugetragen::
Ein Kätzcehn namens Marmalade war eine verspielte Wohnungskatze. Eines Tages entdeckte sie, dass ihre Halterin morgens immer durch denselben Flur ins Bad ging. Dort versteckte sich Marmalade hinter einer großen Zimmerpflanze – reglos, mit nur der Schwanzspitze zitternd. Sobald ihre Halterin vorbeiging, sprang Marmalade wie ein Pfeil hervor, um sie "zu erschrecken". Das Spiel wiederholte sich täglich.
Doch eines Morgens war die Halterin früher aufgestanden – Marmalade hatte sich noch nicht versteckt. Als sie die Wohnung betrat, rannte Marmalade mit empörtem Maunzen auf ihren Platz hinter die Pflanze, als wolle sie sagen: "Du bist zu früh – das war nicht der Plan!" 
Anne Seltmann 18.06.2025, 04.27 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL