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pusteblumen
am morgen
tragen sie
ihr weißes flüstern
als hätte die nacht
tausend kleine
schirme geöffnet
über dem gras
ein wind
kommt vorbei
ohne eile
fragt nicht
nimmt nur
ein paar möglichkeiten
mit
und plötzlich
ist die wiese
voller lücken
in denen
neue wege
denken
Anne Seltmann 07.03.2026, 09.32 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Piktogramme – Von der Höhlenwand zum kreativen Designstatement
Wir begegnen ihnen täglich – auf Flughäfen, in Apps, auf Verpackungen, in Museen oder auf Straßenschildern.
Piktogramme sind aus unserem visuellen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch während sie früher vor allem funktional waren, zeigen sie sich heute überraschend kreativ, verspielt und stilistisch vielfältig.
Aber wer hat sie eigentlich erfunden?
Der Ursprung der Bildzeichen
Streng genommen sind Piktogramme älter als jede Schrift. Schon in prähistorischen Höhlenmalereien wurden Informationen über Bilder vermittelt. Später entwickelten Hochkulturen wie die Ägypter mit ihren Hieroglyphen komplexe Bildzeichensysteme.
Als moderner Gestaltungsansatz wurden Piktogramme jedoch besonders im 20. Jahrhundert geprägt – vor allem durch den österreichischen Sozialwissenschaftler und Philosophen Otto Neurath.
Er entwickelte in den 1920er-Jahren gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz das sogenannte Isotype-System (International System Of Typographic Picture Education).
Die Idee dahinter war revolutionär: Informationen sollten so einfach und international verständlich wie möglich über reduzierte Bildsymbole vermittelt werden – unabhängig von Sprache oder Bildung.
Klare Formen, starke Kontraste, maximale Vereinfachung – das war das Prinzip.
Der große Durchbruch
Internationale Aufmerksamkeit erhielten Piktogramme vor allem durch Großveranstaltungen.
Ein Meilenstein war das visuelle Leitsystem der Olympischen Spiele 1972 in München, gestaltet von Otl Aicher für die Olympische Sommerspiele 1972.
Seine systematisch aufgebauten, geometrisch reduzierten Sport-Piktogramme gelten bis heute als Designklassiker. Sie waren funktional, einheitlich und weltweit verständlich – ein Meilenstein der visuellen Kommunikation.
Vom Funktionssymbol zur Designikone
Lange Zeit galt: Piktogramme müssen neutral, sachlich und möglichst unsichtbar sein.
Form folgt Funktion.
Doch mit der Digitalisierung und dem Aufkommen von Apps, Social Media und Markeninszenierungen hat sich das stark verändert.
Heute dürfen Piktogramme:
* Charakter zeigen
* Humor transportieren
* Emotionen wecken
* Markenidentität stärken
* Illustrativ und detailreicher sein
Flat Design, 3D-Icons, animierte Symbole, handgezeichnete Linien, Farbverläufe – die einst strengen Gestaltungsregeln werden bewusst erweitert.
Warum sehen Piktogramme heute kreativer aus?
1. Digitale Oberflächen erlauben mehr Detailreichtum
2. Marken wollen sich visuell differenzieren
3. Nutzer sind visuell geschult und erwarten Ästhetik
4. Gestaltung wird zunehmend als Erlebnis verstanden
5. KI-Tools eröffnen neue Formensprachen und Stilvarianten
Das moderne Piktogramm ist nicht mehr nur Wegweiser – es ist Teil einer visuellen Erzählung.
Zwischen Klarheit und Kreativität
Die Herausforderung bleibt jedoch:
Ein Piktogramm muss trotz gestalterischer Freiheit verständlich bleiben.
Je kreativer es wird, desto wichtiger ist die Balance zwischen Ästhetik und Lesbarkeit.
Das beste Piktogramm funktioniert international – und überrascht gleichzeitig durch seine Gestaltung.
Fazit
Von prähistorischen Wandzeichnungen über das Isotype-System von Otto Neurath bis hin zu animierten App-Icons unserer Zeit – Piktogramme haben eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen.
Was einst als nüchternes Informationssymbol begann, ist heute ein kreatives Gestaltungselement mit Persönlichkeit geworden.
Und vielleicht liegt genau darin ihre Zukunft:
Nicht nur Orientierung zu geben, sondern auch visuelle Freude zu bereiten.
Anne Seltmann 15.02.2026, 09.26 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nussknacker gehören zu den charmantesten Figuren der Weihnachtstradition – und ihre Geschichte ist so märchenhaft wie ihr Aussehen.
Ihre Wurzeln liegen in Deutschland, genauer im Erzgebirge. Dort entstand im 17. und 18. Jahrhundert die Tradition der Holzschnitzerei, weil viele Bergleute in den langen Wintern ein zweites Einkommen brauchten. Aus dem Handwerk wurden kleine Kunstwerke – Räuchermännchen, Pyramiden und eben auch Nussknacker.
Der legendäre "Vater des Nussknackers" gilt Wilhelm Füchtner aus Seiffen. Er entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts die typische Gestalt: ein strenger, meist aufrechtstehender Mann mit Uniform, Schnurrbart und kräftigem Hebelmaul. Die Figuren stellten Autoritätspersonen dar – Gendarmen, Offiziere, Könige, Pförtner. Ein kleiner Triumph aus Holz: Wer ihn bedient, bezwingt die Autorität mit einer einzigen Nuss.
Der Nussknacker wurde später weltberühmt, als E.T.A. Hoffmann 1816 das Kunstmärchen "Nussknacker und Mausekönig" schrieb, und Tschaikowski dieses in sein weltbekanntes Ballett verwandelte. Seitdem steht die Figur nicht nur für Handwerk, sondern für Fantasie, Märchen und Weihnachtsträume.
Bis heute wird der echte Erzgebirgische Nussknacker in Handarbeit hergestellt. Jeder ist ein kleines Unikat aus gedrechseltem Holz, liebevoll bemalt und dekoriert.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir sie so lieben: Sie erinnern uns an eine Zeit, in der einfache Dinge etwas Magisches hatten. Nussknacker sind etwas zwischen Kunst, Tradition und Kindheitsgefühl – und jedes Jahr kommen sie zurück, um uns zu zeigen, wie nah Märchen an der Wirklichkeit liegen.
Anne Seltmann 02.12.2025, 10.36 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


2019 verbrachten wir unseren Urlaub in Quedlinburg. Quedlinburg ist eine Stadt, die man nicht einfach besucht – man entdeckt sie. Nicht die großen Plätze oder bekannten Sehenswürdigkeiten sind es, die ihren Zauber ausmachen, sondern die kleinen Gässchen, die sich zwischen den alten Fachwerkhäusern hindurchschlängeln. Es sind die versteckten Innenhöfe, die man oft nur durch eine schmale Pforte oder einen unscheinbaren Torbogen findet, in denen sich plötzlich eine ganz eigene Welt öffnet.
Hier blühen (sonst) wilde Rosen neben Kopfsteinpflaster, eine alte Bank steht unter einem Apfelbaum, irgendwo klappert eine Tür im Wind. Jeder Winkel scheint Geschichten zu erzählen – von Handwerk, von vergangenen Zeiten, von Menschen, die hier lebten und lachten.
Genau diese stillen, fast zufälligen Entdeckungen machen Quedlinburg so faszinierend. Man spaziert hinein und hat das Gefühl, die Zeit selbst hätte kurz angehalten, um einem zuzuzwinkern.
Anne Seltmann 04.11.2025, 16.06 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


das licht fällt nicht,
es tastet.
eine spur aus wasser und atem,
ein geräusch,
das sich nicht traut, laut zu sein.
die luft hält inne,
als wüsste sie,
dass etwas vergeht,
bevor es überhaupt begonnen hat.
in jedem tropfen
eine ganze welt,
die kurz leuchtet
und dann verschwindet,
wie ein versprechen,
das niemand brach –
aber auch niemand hielt.

Anne Seltmann 05.10.2025, 07.52 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Heute zeige ich euch einige Brunnen der Herrenhäuser Gärten in Hannover. Die Brunnen gehören zu den markantesten Gestaltungsmerkmalen dieser historischen Anlage. Viele von ihnen stammen aus der Barockzeit und wurden in die sorgfältig geplanten Achsen und Alleen eingebunden, um die Symmetrie und Harmonie des Gartens zu unterstreichen. Einige Brunnen zeigen kunstvolle steinerne Figuren aus Mythologie und Natur, andere sind schlicht gehalten, spiegeln das Licht und das Grün der Umgebung wider.
Die Wasserspiele dienten früher nicht nur der Ästhetik: Sie waren Ausdruck von Reichtum und Kunstfertigkeit der Gartenbesitzer und zeigten die meisterhafte Kombination von Architektur, Technik und Natur. Heute laden die Brunnen Besucher dazu ein, innezuhalten, das Plätschern des Wassers zu hören und die unterschiedlichen Perspektiven der Gartenanlage zu entdecken.
Besonders beeindruckend ist, wie die Brunnen das Licht einfangen und mit den Blumenbeeten, Hecken und Alleen in Beziehung treten. Ein Spaziergang zu den Wasserspielen der Herrenhäuser Gärten vermittelt ein gutes Gefühl für die historische Planung, die vielfältige Gestaltung und die Bedeutung von Wasser als lebendigem Element im Gartenbau.


Anne Seltmann 11.09.2025, 07.45 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Anne Seltmann 31.08.2025, 00.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Neulich habe ich unseren alten Schallplattenspieler entstaubt. Er stand lange still – ein stiller Zeuge einer anderen Zeit. Doch kaum lag die Nadel auf dem Vinyl, war sie wieder da: diese besondere Magie. Das leise Knistern vor dem ersten Ton. Der warme Klang, der nie ganz perfekt ist, aber genau darin seinen Charme entfaltet. Keine Playlist, kein Algorithmus – einfach nur Musik, die Raum braucht, um zu wirken.
Ich blättere durch meine alten Platten: Bowie, Ella Fitzgerald, die Beatles, Bob Dylan und Joan Baez und ein bisschen Jazz aus verrauchten Wohnzimmern vergangener Jahrzehnte. Jede Scheibe ein Stück Erinnerung. Und ganz ehrlich – der Moment, wenn man die Platte vorsichtig auflegt, ist wie ein kleines Ritual. Fast meditativ.
Jetzt interessiert mich:
Hast du auch noch einen Schallplattenspieler?
Steht er vielleicht im Regal? Oder wird er noch regelmäßig genutzt?
Ich bin gespannt!
Anne Seltmann 02.07.2025, 16.53 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL


~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 14.06.2025, 08.48 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL