Tag: See


still ruht der see.
ein moment,
der sich selbst genügt.
das licht hält den atem an,
legt sich flach
auf die haut des wassers.
ein gedanke treibt vorbei,
ohne wellen zu machen.
man könnte ihn festhalten,
aber man lässt ihn.
am ufer nichts,
was drängt.
nur zeit,
die sich selbst zuhört.
der see weiß nichts von uns.
und genau darin
liegt seine ruhe.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 21.01.2026, 05.44 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Anne Seltmann 12.01.2026, 07.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zu dem Projekt von Ruthie "I see faces" habe ich einige Bilder zusammengestellt.
In diesem Projekt werden Gesichter gezeigt, die keine sind, man sie aber dennoch sieht. Das Ganze nennt sich Pareidolie.
Pareidolie ist das Phänomen, bei dem dein Gehirn
beschließt, überall Gesichter zu sehen, auch dort, wo ganz eindeutig keine sind-
und sich dabei für besonders clever hält.
Eine Steckdose schaut dich plötzlich streng an. Der Mond wirkt beleidigt. Ein Auto vorne sieht aus, als würde es gleich etwas sagen wie: "Was schaust du so?"
Dein Verstand denkt sich dabei: "Lieber einmal zu viel ein Gesicht erkennen als einmal zu wenig. Könnte ja ein Säbelzahntiger sein. Oder ein Toast."
Pareidolie ist also die Kunst, aus Wolken Drachen zu machen,aus Kaffeeflecken Propheten und aus einem zusammengeknüllten Pullover einen traurig dreinblickenden Hund.
Kurz gesagt: Dein Gehirn liebt Muster so sehr, dass es notfalls welche erfindet- und dich dann davon überzeugt, dass der Lichtschalter dich gerade anlächelt.
Völlig normal. Nur… der Lichtschalter meint es nicht persönlich. 
Anne Seltmann 12.01.2026, 07.13 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Zwei rote Kreise an der Wand – fast wie Augen, die wachen. Was auf den ersten Blick wie ein minimalistisches Kunstobjekt wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als lebensrettende Infrastruktur: Feuermelder-Sirenen, diskret montiert und doch von großer Bedeutung.
Die Geräte sind Teil eines Brandmeldesystems, das im Ernstfall lautstark Alarm schlägt. Ihre runde Form, die geriffelten Lüftungsschlitze und die verbindenden Kabel erzählen von Funktionalität und Präzision. Zwischen ihnen: ein kleiner Durchbruch in der Wand, roh und ungeschönt – ein sichtbarer Hinweis auf die Arbeit hinter den Kulissen, auf Wartung, Nachrüstung, vielleicht auch Improvisation.
In ihrer stillen Präsenz erinnern sie uns daran, dass Sicherheit oft unsichtbar bleibt, bis sie gebraucht wird. Sie sind Wächter ohne Stimme, bis der Moment kommt, in dem ihre Warnung Leben retten kann.
Anne Seltmann 02.12.2025, 06.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

In unserem Urlaub vor kurzem hatten wir einige Zielpunkte anvisiert und auch durchgeführt. Unplanmäßig kam das Freilichtmuseum in Glentleiten hinzu – und das war eine wunderbare Entscheidung. Solche Orte besuche ich auch hier in Kiel zu gern, aber dieses Freilichtmuseum war etwas ganz Besonderes.
Es fühlte sich an, als würde man durch die Zeit spazieren. Überall standen alte Bauernhäuser, Mühlen und Werkstätten, umgeben von Wiesen, Zäunen und Obstbäumen. Nichts davon wirkte wie eine Ausstellung – eher so, als hätten die Menschen nur kurz das Dorf verlassen, um auf dem Feld zu arbeiten.

Ich mochte besonders diese Ruhe. Nur das leise Knarzen der alten Holzbalken, irgendwo ein Huhn, dazu dieser Duft von Holz, Heu und Rauch. In jedem Raum spürte man Geschichte – einfache Möbel, getöpferte Schalen, handgewebte Tücher. Es war, als erzählten die Dinge ganz leise vom Alltag früherer Zeiten.
Und dann dieser Blick über die Hügel bis zu den Bergen – so weit, so klar. Für einen Moment vergisst man, dass draußen längst alles moderner, lauter, schneller geworden ist. Dort scheint die Zeit wirklich noch einen Augenblick länger zu verweilen.
Anne Seltmann 01.11.2025, 00.00 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


An der Außenkante unserer Balkontür habe ich die Stelle des "Gesichtes" für euch markiert. Und ja, ihr habt richtig gesehen… der Balkon fehlt. Immer noch. Stand März 2023 läuft bei uns die Haussanierung, und mein aktueller Gemütszustand lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen: Ich habe die Nase sowas von voll!
Hier ein Überblick über die meisterhafte Arbeitsweise: Auf der einen Seite werden Fundamente für Fahrräder und Mülltonnen platziert – hurra, Fortschritt! – dann stoppt alles abrupt, und man wendet sich der anderen Seite des Hauses zu, buddelt dort ein bisschen herum, nur um es wieder unvollständig stehen zu lassen. Ganz oder halb – beides scheint ein Konzept, das man hier nicht kennt.
Dann werden Sockel gegossen, die als Fundament für das Balkongerüst dienen sollen. Und wie zu erwarten, geht auch da… nichts weiter.
>>Sarkasmus an << Das Wort "Balkon" habe ich mittlerweile komplett verlernt. Wie es ausgesprochen wird? Keine Ahnung. Vielleicht irgendwann, wenn die Sanierung ein Ende findet >> Sarkasmus aus <<
Anne Seltmann 03.10.2025, 09.40 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Seerobbenbabys, die ohne ihre Mütter zurückbleiben, finden in verschiedenen Regionen Hilfe in speziellen Stationen. Solche Aufnahmestellen gibt es vor allem dort, wo die Tiere leben – also an den Küsten der Nordsee und Ostsee, in Deutschland etwa in Norddeich, Friedrichskoog oder auf Helgoland. Auch in den Niederlanden, Dänemark und anderen Ländern rund um die Nordsee sind Heuler Stationen eingerichtet. Weltweit gibt es ähnliche Einrichtungen überall dort, wo Robben vorkommen, zum Beispiel in den USA, Kanada oder Südafrika. Sie alle haben das gleiche Ziel: die mutterlosen Jungtiere aufzupäppeln, denn in mutterloser Heuler kann weder diese Nahrung bekommen noch sofort selbst Fische fangen. Darum übernehmen Menschen in den Stationen die Fütterung – zuerst mit einer Ersatzmilch, später mit kleinen Fischen –, bis die Jungtiere stark genug sind, allein im Meer zu jagen.
Man nennt die Kleinen auch Heuler und diesen Namen haben die Menschen an den Küsten geprägt, vor allem an der Nordsee. Wenn ein Robbenbaby von seiner Mutter getrennt wird, ruft es laut nach ihr – ein klagender, wehmütiger Laut, der wie Heulen klingt.
Anne Seltmann 26.09.2025, 06.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL


Anne Seltmann 10.08.2025, 06.46 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Es gibt Tage, da braucht es keine großen Worte. Da genügt ein stiller Blick, ein Lichtstreif am Boden, ein Windhauch im Haar –und etwas in uns öffnet sich.
Diese Sammlung nennt sich Fenster, weil sie den Blick freigibt auf das, was oft verborgen bleibt:die kleinen, zarten Momente im Alltag, die Schönheit am Wegesrand, die leisen Gedanken,
die niemand laut ausspricht – und doch in vielen wohnen.
Jedes Fenster ist ein Bild, ein Gedicht, ein Flüstern. Ein kurzer Halt zwischen gestern und morgen. Ein Stück Seele, das sich zeigt, ohne sich zu erklären. Vielleicht erkennst du dich wieder.
Vielleicht schaust du hinaus – und findest etwas, das du längst in dir trägst.
Diese Fenster öffnen sich für dich, für das Jetzt, für das, was bleibt.
12 Seelenfenster
1. Fenster: Mohn im KornfeldAnne Seltmann 11.07.2025, 16.36 | (0/0) Kommentare | TB | PL