Tag: P


zwischen mauern
ein kaum sichtbarer spalt
lange
war dort
nur schatten
staub
ein wenig wind
manchmal regen
dann
eines morgens
ein grüner gedanke
der sich
durch den engen riss
nach oben tastet
zögernd
aber unbeirrbar
als wüsste er
dass selbst mauern
nicht ewig sind
und plötzlich
mitten im grau
steht er da
ein löwenzahn
leuchtet
als hätte jemand
eine kleine sonne
im stein vergessen
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 12.03.2026, 13.29 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Manchmal bleiben meine Gedanken an ganz alltäglichen Dingen hängen. Neulich zum Beispiel am Postkasten – oder heißt es eigentlich Briefkasten? Während ich darüber nachdachte, merkte ich, dass ich beide Wörter ganz selbstverständlich benutze, ohne je wirklich darüber nachgedacht zu haben, woher sie kommen oder ob sie vielleicht sogar unterschiedliche Dinge meinen.
Der Briefkasten ist sprachlich der einfachere und ältere Begriff. Er beschreibt schlicht einen Kasten, in dem Briefe landen. Früher hing so ein Kasten meist direkt am Haus – dort, wo der Postbote seine Sendungen einwarf. Und genauso kennen wir ihn bis heute: als den kleinen Kasten an der Haustür oder am Gartenzaun.
Der Postkasten dagegen entstand mit der Entwicklung des organisierten Postwesens. Als im 19. Jahrhundert immer mehr Briefe verschickt wurden, stellte die Post öffentliche Kästen auf Straßen und Plätzen auf. In diese konnte man seine Briefe einwerfen, damit sie von der Post abgeholt und weitertransportiert wurden. Weil diese Kästen zur Post gehörten, nannte man sie Postkästen.
So hat sich im Alltag ganz still eine kleine Unterscheidung entwickelt:
Der Briefkasten hängt am Haus – der Postkasten steht auf der Straße.
Übrigens reicht die Idee solcher Einwurfkästen viel weiter zurück, als man denkt. Einer der ersten bekannten Briefkästen wurde bereits 1653 in Paris aufgestellt. Seitdem begleiten uns diese unscheinbaren Kästen durch den Alltag – meistens unbemerkt, manchmal aber auch voller kleiner Überraschungen.
Anne Seltmann 10.03.2026, 15.32 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


pusteblumen
am morgen
tragen sie
ihr weißes flüstern
als hätte die nacht
tausend kleine
schirme geöffnet
über dem gras
ein wind
kommt vorbei
ohne eile
fragt nicht
nimmt nur
ein paar möglichkeiten
mit
und plötzlich
ist die wiese
voller lücken
in denen
neue wege
denken
Anne Seltmann 07.03.2026, 09.32 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


der wald
ist kein ort
er geschieht
zwischen rinde und atmung
ein licht
das nicht fällt
sondern tastet
unter den füßen
das weiche gedächtnis
aus nadeln
aus jahren
ein knacken
(oder war es nur
mein denken?)
moos legt
seine kühle hand
auf den stein
und alles
was ich sagen wollte
zieht sich zurück
in wurzeln
der wald spricht nicht
er sammelt
atem
harz
schatten
und gibt mich
langsamer
zurück
als ich kam.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 26.02.2026, 06.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mein Tuschkasten und ich haben in den letzten Tagen eine kleine Farbreise unternommen. Es wurde geplanscht, gemischt und fröhlich drauflos gepinselt – bis das Bild oben schließlich sagte: "So, jetzt bin ich fertig!" Diesmal habe ich mich an einer Papageienblume herangewagt – mit leuchtenden Farben im Gepäck und einer guten Portion Mut im Pinsel. Sie hat sich erst ein bisschen geziert, doch am Ende durfte sie stolz ihr tropisches Federkleid entfalten.
Zur Papageienblume sei gesagt: Sie wird auch „Paradiesvogelblume genannt und sie ist eine exotische Zierpflanze aus Südafrika.
Ihre auffälligen, orange-blauen Blüten erinnern an einen bunten Vogelkopf - daher ihr Name.
Anne Seltmann 20.02.2026, 07.03 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Grashalme im Wind
als wären sie nur
ein gerücht von grün
stehen sie da
nicht einzeln
ein flüstern in vielfalt
ein kaum
der wind liest sie
mit unsichtbarer hand
Zeile für Zeile
beugt sich bedeutung
und richtet sich wieder auf
kein widerstand
nur dieses mitgehen
als wüssten sie
wie man verliert
ohne zu fallen
zwischen zwei böen
ein zittern
das nicht angst ist
eher eine art erinnern
an etwas
das noch kommt
und schon da ist
im rascheln
schreibt sich die fläche fort
ohne rand
ohne besitz
nur bewegung
die bleibt
indem sie geht
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 19.02.2026, 06.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL


Piktogramme – Von der Höhlenwand zum kreativen Designstatement
Wir begegnen ihnen täglich – auf Flughäfen, in Apps, auf Verpackungen, in Museen oder auf Straßenschildern.
Piktogramme sind aus unserem visuellen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch während sie früher vor allem funktional waren, zeigen sie sich heute überraschend kreativ, verspielt und stilistisch vielfältig.
Aber wer hat sie eigentlich erfunden?
Der Ursprung der Bildzeichen
Streng genommen sind Piktogramme älter als jede Schrift. Schon in prähistorischen Höhlenmalereien wurden Informationen über Bilder vermittelt. Später entwickelten Hochkulturen wie die Ägypter mit ihren Hieroglyphen komplexe Bildzeichensysteme.
Als moderner Gestaltungsansatz wurden Piktogramme jedoch besonders im 20. Jahrhundert geprägt – vor allem durch den österreichischen Sozialwissenschaftler und Philosophen Otto Neurath.
Er entwickelte in den 1920er-Jahren gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz das sogenannte Isotype-System (International System Of Typographic Picture Education).
Die Idee dahinter war revolutionär: Informationen sollten so einfach und international verständlich wie möglich über reduzierte Bildsymbole vermittelt werden – unabhängig von Sprache oder Bildung.
Klare Formen, starke Kontraste, maximale Vereinfachung – das war das Prinzip.
Der große Durchbruch
Internationale Aufmerksamkeit erhielten Piktogramme vor allem durch Großveranstaltungen.
Ein Meilenstein war das visuelle Leitsystem der Olympischen Spiele 1972 in München, gestaltet von Otl Aicher für die Olympische Sommerspiele 1972.
Seine systematisch aufgebauten, geometrisch reduzierten Sport-Piktogramme gelten bis heute als Designklassiker. Sie waren funktional, einheitlich und weltweit verständlich – ein Meilenstein der visuellen Kommunikation.
Vom Funktionssymbol zur Designikone
Lange Zeit galt: Piktogramme müssen neutral, sachlich und möglichst unsichtbar sein.
Form folgt Funktion.
Doch mit der Digitalisierung und dem Aufkommen von Apps, Social Media und Markeninszenierungen hat sich das stark verändert.
Heute dürfen Piktogramme:
* Charakter zeigen
* Humor transportieren
* Emotionen wecken
* Markenidentität stärken
* Illustrativ und detailreicher sein
Flat Design, 3D-Icons, animierte Symbole, handgezeichnete Linien, Farbverläufe – die einst strengen Gestaltungsregeln werden bewusst erweitert.
Warum sehen Piktogramme heute kreativer aus?
1. Digitale Oberflächen erlauben mehr Detailreichtum
2. Marken wollen sich visuell differenzieren
3. Nutzer sind visuell geschult und erwarten Ästhetik
4. Gestaltung wird zunehmend als Erlebnis verstanden
5. KI-Tools eröffnen neue Formensprachen und Stilvarianten
Das moderne Piktogramm ist nicht mehr nur Wegweiser – es ist Teil einer visuellen Erzählung.
Zwischen Klarheit und Kreativität
Die Herausforderung bleibt jedoch:
Ein Piktogramm muss trotz gestalterischer Freiheit verständlich bleiben.
Je kreativer es wird, desto wichtiger ist die Balance zwischen Ästhetik und Lesbarkeit.
Das beste Piktogramm funktioniert international – und überrascht gleichzeitig durch seine Gestaltung.
Fazit
Von prähistorischen Wandzeichnungen über das Isotype-System von Otto Neurath bis hin zu animierten App-Icons unserer Zeit – Piktogramme haben eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen.
Was einst als nüchternes Informationssymbol begann, ist heute ein kreatives Gestaltungselement mit Persönlichkeit geworden.
Und vielleicht liegt genau darin ihre Zukunft:
Nicht nur Orientierung zu geben, sondern auch visuelle Freude zu bereiten.
Anne Seltmann 15.02.2026, 09.26 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Menschen waren nervös. Sehr nervös.
Nur eine nicht.
Oben auf der alten Backsteinmauer saß Minka.
Schwarz. Glänzend. Mit einem Blick, der irgendwo zwischen
„Ich weiß etwas, was ihr nicht wisst
und „Wo ist mein Frühstück? lag.
Herr Meier kam aus dem Haus, blieb abrupt stehen –
und sah direkt in ihre gelben Augen.
„Na toll, murmelte er. „Eine schwarze Katze.
Er drehte sich um, um einen Umweg zu gehen –
und lief direkt gegen seine eigene Mülltonne.
Klong.
Minka blinzelte.
Das hatte sie nun wirklich nicht geplant.
Ein paar Häuser weiter ließ Frau Kruse vor Schreck ihren
Schlüssel fallen,
nur weil Minka ihren Schwanz minimal bewegte.
Minimal!
„Das ist ein Zeichen! flüsterte jemand hinter dem Vorhang.
Ein Zeichen?
Minka putzte sich demonstrativ die Pfote.
Das einzige Zeichen hier war:
„Bitte mehr Thunfisch.
Doch dann wurde es interessant.
Herr Meier fand in seiner zerknitterten Jackentasche
einen längst vergessenen Zehn-Euro-Schein.
Frau Kruse bekam einen überraschenden Anruf mit guten Nachrichten.
Und der Postbote brachte ein Paket, das viel früher kam als angekündigt.
Langsam merkten die Menschen:
Vielleicht war Minka gar kein Unglücksbringer.
Vielleicht war sie einfach nur…
eine Katze.
Oben auf der Mauer streckte sie sich genüsslich,
ließ ihren Blick über die aufgeregte Nachbarschaft schweifen
und dachte – falls Katzen in ganzen Sätzen denken:
„Freitag, der 13.?
Ich sitze hier jeden Freitag.
Ihr seid nur heute besonders dramatisch.
Dann sprang sie elegant von der Mauer
und verschwand –
um vermutlich irgendwo anders
unschuldig Chaos verursacht zu haben.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 13.02.2026, 06.18 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


ich öffnete die flasche
als wäre der morgen ein versprechen
das noch niemand ausgesprochen hatte
die bläschen stiegen
wie kleine ängste
und zerplatzten
bevor sie jemanden verletzen konnten
ich trank
nicht aus durst
sondern aus der sehnsucht
alles ein bisschen leichter zu machen
draußen lachte die straße
als hätte sie mich schon immer gekannt
und ich legte die stadt in meine hände
so vorsichtig
wie man ein glas hält
das schon einmal gefallen ist
und irgendwo zwischen dem ersten schluck
und dem zweiten atemzug
wurde der morgen länger
als er sein musste
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 10.02.2026, 08.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zu meiner Montags-Collage "MosaikMonday"fehlte noch das Lafayette, dass ich beim Stöbern meiner Bilder noch gefunden habe.
Die Galeries Lafayette sind mehr als ein Kaufhaus – sie sind ein Erlebnis mitten in Paris. Unter der berühmten gläsernen Kuppel treffen Eleganz, Mode und Architektur aufeinander. Zwischen Luxus, Design und Pariser Flair spürt man den besonderen Zauber dieses Ortes, der selbst zum Staunen einlädt – auch ganz ohne Einkaufstaschen.
Die Galeries Lafayette beeindrucken besonders durch ihre außergewöhnliche Glaskuppel, die das Innere mit farbigem Licht durchflutet und den Blick nach oben fast automatisch anzieht. Die kunstvoll gestalteten Jugendstil-Elemente machen sie zu einem architektonischen Highlight. Entworfen wurde das Kaufhaus von den Architekten Georges Chedanne und Ferdinand Chanut, die mit der Kuppel ein Bauwerk schufen, das bis heute Eleganz, Innovation und Pariser Grandezza vereint.
Je nach Jahreszeit ist die Kuppel festlich und fantasievoll geschmückt, was jeden Besuch aufs Neue besonders macht und dem Haus immer wieder ein anderes Gesicht verleiht.

Anne Seltmann 10.02.2026, 06.33 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL