Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Marius

Marius Nature Thursday 2026 N° 09







zwischen mauern

ein kaum sichtbarer spalt

 

lange
war dort
nur schatten

 

staub
ein wenig wind
manchmal regen

 

dann

eines morgens

ein grüner gedanke

 

der sich
durch den engen riss
nach oben tastet

 

zögernd
aber unbeirrbar

 

als wüsste er
dass selbst mauern
nicht ewig sind

 

und plötzlich

mitten im grau

steht er da

ein löwenzahn

 

leuchtet

als hätte jemand
eine kleine sonne
im stein vergessen

~*~

© Anne Seltmann








Anne Seltmann 12.03.2026, 13.29 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Black and White März 2026



[Nikon Z 50]




pusteblumen

 

am morgen

tragen sie

ihr weißes flüstern

 

als hätte die nacht

tausend kleine

schirme geöffnet

 

über dem gras

 

ein wind

kommt vorbei

ohne eile

 

fragt nicht

 

nimmt nur

ein paar möglichkeiten

mit

 

und plötzlich

ist die wiese

 

voller lücken

 

in denen

neue wege

denken 

~*~

© Anne Seltmann













Anne Seltmann 07.03.2026, 09.32 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 08






Heute Morgen habe ich in meinem Fotoarchiv gewuselt, um Bilder für Marius Naturdonnerstag zu suchen. Dabei bin ich über Aufnahmen gestolpert, die mich sofort zurückversetzt haben. Fotografiert im Jahr 2005. (Handybilder) Mein Gott, ist das lange her, als wir dort Urlaub machten. Genauer gesagt in Spindler Mühle, von wo aus wir einige Touren unternommen haben. In diesem Fall führte uns der Weg in die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt.





Schon beim erneuten Betrachten der Bilder spüre ich wieder diese besondere Atmosphäre. Manche Orte verlieren auch nach Jahren nichts von ihrer Wirkung. Die hohen Sandsteinfelsen ragen wie natürliche Kathedralen empor, Wege schlängeln sich durch schmale Spalten, und das Licht fällt gefiltert zwischen den Felswänden hindurch.

Mich faszinieren dort vor allem die Details: Strukturen im Gestein, weiche Moospolster, kleine Pflanzen, die sich ihren Platz zwischen Stein und Schatten erobern. Es ist dieses Zusammenspiel aus Enge und Weite, aus rauer Oberfläche und zartem Grün, das mich damals wie heute berührt.





Das Gestein erzählt von Zeit – von unzähligen Jahren, die es geformt haben. Beim Durchsehen der alten Aufnahmen merke ich, wie sehr mich solche Landschaften geprägt haben. Vielleicht war es einer dieser Orte, an denen ich begonnen habe, bewusster hinzusehen.

Die Felsenstadt war kein lautes Ausflugsziel. Sie wirkte still und gleichzeitig monumental. Jeder Schritt eröffnete neue Perspektiven, neue Blickwinkel, neue Kompositionen. Und während ich heute durch mein Archiv blättere, wird mir bewusst, wie wertvoll solche fotografischen Erinnerungen sind.

Manche Bilder sind mehr als Dokumente. Sie sind kleine Zeitkapseln. Und die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt bleibt für mich ein Ort aus Stein, Licht und Erinnerung – kraftvoll, still und zeitlos.









Anne Seltmann 05.03.2026, 09.46 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 07






der wald
ist kein ort
er geschieht

zwischen rinde und atmung
ein licht
das nicht fällt
sondern tastet

unter den füßen
das weiche gedächtnis
aus nadeln
aus jahren

ein knacken
(oder war es nur
mein denken?)

moos legt
seine kühle hand
auf den stein

und alles
was ich sagen wollte
zieht sich zurück
in wurzeln

der wald spricht nicht
er sammelt

atem
harz
schatten

und gibt mich
langsamer
zurück
als ich kam.


~*~

© Anne Seltmann




 





Anne Seltmann 26.02.2026, 06.20 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 06







Grashalme im Wind

als wären sie nur
ein gerücht von grün
stehen sie da

nicht einzeln
 ein flüstern in vielfalt
ein kaum

der wind liest sie
mit unsichtbarer hand
Zeile für Zeile
beugt sich bedeutung

und richtet sich wieder auf

kein widerstand
nur dieses mitgehen
als wüssten sie
wie man verliert
ohne zu fallen

zwischen zwei böen
ein zittern
das nicht angst ist

eher eine art erinnern
an etwas
das noch kommt

und schon da ist

im rascheln
schreibt sich die fläche fort
ohne rand
ohne besitz

nur bewegung
die bleibt
indem sie geht


~*~

© Anne Seltmann










Anne Seltmann 19.02.2026, 06.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Black and White Februar 2026









Piktogramme – Von der Höhlenwand zum kreativen Designstatement

Wir begegnen ihnen täglich – auf Flughäfen, in Apps, auf Verpackungen, in Museen oder auf Straßenschildern.

Piktogramme sind aus unserem visuellen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch während sie früher vor allem funktional waren, zeigen sie sich heute überraschend kreativ, verspielt und stilistisch vielfältig.

Aber wer hat sie eigentlich erfunden?

Der Ursprung der Bildzeichen

Streng genommen sind Piktogramme älter als jede Schrift. Schon in prähistorischen Höhlenmalereien wurden Informationen über Bilder vermittelt. Später entwickelten Hochkulturen wie die Ägypter mit ihren Hieroglyphen komplexe Bildzeichensysteme.

Als moderner Gestaltungsansatz wurden Piktogramme jedoch besonders im 20. Jahrhundert geprägt – vor allem durch den österreichischen Sozialwissenschaftler und Philosophen Otto Neurath.

Er entwickelte in den 1920er-Jahren gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz das sogenannte Isotype-System (International System Of Typographic Picture Education).

Die Idee dahinter war revolutionär: Informationen sollten so einfach und international verständlich wie möglich über reduzierte Bildsymbole vermittelt werden – unabhängig von Sprache oder Bildung.

Klare Formen, starke Kontraste, maximale Vereinfachung – das war das Prinzip.

Der große Durchbruch

Internationale Aufmerksamkeit erhielten Piktogramme vor allem durch Großveranstaltungen.

Ein Meilenstein war das visuelle Leitsystem der Olympischen Spiele 1972 in München, gestaltet von Otl Aicher für die Olympische Sommerspiele 1972.

Seine systematisch aufgebauten, geometrisch reduzierten Sport-Piktogramme gelten bis heute als Designklassiker. Sie waren funktional, einheitlich und weltweit verständlich – ein Meilenstein der visuellen Kommunikation.

Vom Funktionssymbol zur Designikone

Lange Zeit galt: Piktogramme müssen neutral, sachlich und möglichst unsichtbar sein.

Form folgt Funktion.

Doch mit der Digitalisierung und dem Aufkommen von Apps, Social Media und Markeninszenierungen hat sich das stark verändert.

Heute dürfen Piktogramme:

 

* Charakter zeigen

* Humor transportieren

* Emotionen wecken

* Markenidentität stärken

* Illustrativ und detailreicher sein

Flat Design, 3D-Icons, animierte Symbole, handgezeichnete Linien, Farbverläufe – die einst strengen Gestaltungsregeln werden bewusst erweitert.


Warum sehen Piktogramme heute kreativer aus?

 

1. Digitale Oberflächen erlauben mehr Detailreichtum

2. Marken wollen sich visuell differenzieren

3. Nutzer sind visuell geschult und erwarten Ästhetik

4. Gestaltung wird zunehmend als Erlebnis verstanden

5. KI-Tools eröffnen neue Formensprachen und Stilvarianten

 

Das moderne Piktogramm ist nicht mehr nur Wegweiser – es ist Teil einer visuellen Erzählung.

Zwischen Klarheit und Kreativität

Die Herausforderung bleibt jedoch:

Ein Piktogramm muss trotz gestalterischer Freiheit verständlich bleiben.

Je kreativer es wird, desto wichtiger ist die Balance zwischen Ästhetik und Lesbarkeit.

Das beste Piktogramm funktioniert international – und überrascht gleichzeitig durch seine Gestaltung.

Fazit

Von prähistorischen Wandzeichnungen über das Isotype-System von Otto Neurath bis hin zu animierten App-Icons unserer Zeit – Piktogramme haben eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen.

Was einst als nüchternes Informationssymbol begann, ist heute ein kreatives Gestaltungselement mit Persönlichkeit geworden.

Und vielleicht liegt genau darin ihre Zukunft:

Nicht nur Orientierung zu geben, sondern auch visuelle Freude zu bereiten.



Marius...






Anne Seltmann 15.02.2026, 09.26 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 05








Draußen ist es derzeit wahnsinnig kalt. Eine Kälte, die bis in die Gedanken zieht und die Schritte langsamer werden lässt. Dazu dieses Grau in Grau, das den Tagen ihre Konturen nimmt und selbst vertraute Wege ein wenig fremd wirken lässt. Man öffnet die Tür, atmet einmal tief ein – und überlegt es sich dann doch noch einmal, ob man wirklich hinausgehen mag.

Die Welt draußen scheint gedämpft, fast lautlos. Farben ziehen sich zurück, Geräusche ebenso. Drinnen wird das Licht wärmer, die Tasse Tee wichtiger, der Blick aus dem Fenster länger. Ich habe diese Zeit des Nicht-Hinausgehens genutzt – wir waren vom Netz getrennt, vielleicht wegen eines Kabelschadens – und habe rund 20.000 Bilder gesichtet, sortiert und ausgemistet. Eine stille, fast meditative Arbeit, die gut zu diesen grauen Tagen passte.

Vielleicht ist das genau die Zeit, in der man nicht viel vorhaben muss – außer da zu bleiben, wo es warm ist, und den Tag ein wenig leiser zu leben.



Marius...





Anne Seltmann 05.02.2026, 15.16 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 04





Es schneit in meinen Gedanken

 

es schneit
nicht laut
eher zögernd

 

gedanken
werden langsamer
unter der last
von weiß

 

nichts will jetzt
dringend sein

 

worte
landen
und bleiben liegen

 

alles
was eben noch scharf war
verliert die kanten

 

zeit
setzt sich
zwischen zwei atemzüge

 

und ich
bin da
ohne erklärung

 

nur
dort
wo nichts drängt

 

nur
gehalten
von ruhe

~*~


© Anne Seltmann











Anne Seltmann 29.01.2026, 05.34 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 03






 

In Eis und Schnee

in eis und schnee
ruht alles,
was einmal bewegung war.

 

kälte hält fest,
was sonst vergeht.
zeit steht still
zwischen weiß
und schweigen.

 

nichts drängt,
nichts verlangt.
nur das dasein
im frost.

 

in eis und schnee
wird das leise
sichtbar.

~*~

© Anne Seltmann



 

Marius...



Anne Seltmann 22.01.2026, 05.38 | (4/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 02






Inventar der Bäume

Heute tragen die Bäume
ihr zweites Gewicht.

Nicht das der Jahre,
nicht das der Ringe,
sondern ein helles,
geliehenes Weiß.

Jeder Ast
ein vorsichtiges Regal,
auf dem der Winter
sein Geschirr abstellt.

Die Fichten stehen da
wie Tiere, die gelernt haben
ganz still zu atmen.

Birken –
mit Schultern aus Schnee,
als hätten sie sich
für etwas entschuldigt.

Der Garten wird langsam
zu einem Archiv
von Formen, die sonst
nur der Wind kennt.

Man könnte meinen,
die Stämme hörten zu,
wie die Flocken
leise ihren Namen sagen.

Unter der Last
beugen sie sich
in einer geduldigen Grammatik:
Satzzeichen aus Holz und Kälte.

Ich gehe hindurch
und trage das Knirschen
an den Schuhen davon,
als kleine Beweise.

Gegen Abend
wird alles schwerer,
auch das Licht.

Dann hängen die Bäume
voller Schnee
wie unausgesprochene Sätze –
schön
und ein wenig gefährdet.

~*~


© Anne Seltmann







Anne Seltmann 15.01.2026, 10.37 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL