Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: B

Weisheiten am Samstag N° 92







Juttas...


Anne Seltmann 14.03.2026, 06.05 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 256/2026






Leider weiß ich nicht mehr wo ich diesen Postkasten entdeckt habe.

Manchmal bleiben meine Gedanken an ganz alltäglichen Dingen hängen. Neulich zum Beispiel am Postkasten – oder heißt es eigentlich Briefkasten? Während ich darüber nachdachte, merkte ich, dass ich beide Wörter ganz selbstverständlich benutze, ohne je wirklich darüber nachgedacht zu haben, woher sie kommen oder ob sie vielleicht sogar unterschiedliche Dinge meinen.

Der Briefkasten ist sprachlich der einfachere und ältere Begriff. Er beschreibt schlicht einen Kasten, in dem Briefe landen. Früher hing so ein Kasten meist direkt am Haus – dort, wo der Postbote seine Sendungen einwarf. Und genauso kennen wir ihn bis heute: als den kleinen Kasten an der Haustür oder am Gartenzaun.

Der Postkasten dagegen entstand mit der Entwicklung des organisierten Postwesens. Als im 19. Jahrhundert immer mehr Briefe verschickt wurden, stellte die Post öffentliche Kästen auf Straßen und Plätzen auf. In diese konnte man seine Briefe einwerfen, damit sie von der Post abgeholt und weitertransportiert wurden. Weil diese Kästen zur Post gehörten, nannte man sie Postkästen.

So hat sich im Alltag ganz still eine kleine Unterscheidung entwickelt:

Der Briefkasten hängt am Haus – der Postkasten steht auf der Straße.

Übrigens reicht die Idee solcher Einwurfkästen viel weiter zurück, als man denkt. Einer der ersten bekannten Briefkästen wurde bereits 1653 in Paris aufgestellt. Seitdem begleiten uns diese unscheinbaren Kästen durch den Alltag – meistens unbemerkt, manchmal aber auch voller kleiner Überraschungen.






Anne Seltmann 10.03.2026, 15.32 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

MosaicMonday 2026 N° 05



Das Wochenblatt – ein nicht mehr aktives Naturprojekt von >> Jutta <<

Der Name „Wochenblatt ließ zunächst an eine Zeitung denken. Doch das Projekt von Jutta hatte mit einer gedruckten Wochenzeitung nichts zu tun. Ihr Wochenblatt bestand nicht aus Papier und Druckerschwärze, sondern aus echten Blättern aus der Natur.

Jutta sammelte jede Woche ein Blatt auf ihren Spaziergängen. Es konnten Blätter von Bäumen, Sträuchern oder anderen Pflanzen sein, die ihr gerade ins Auge fielen. Jedes dieser Blätter erzählte seine eigene kleine Geschichte: von der Jahreszeit, vom Wetter oder von dem Ort, an dem es gefunden wurde.

So entstand Woche für Woche ein ganz besonderes „Wochenblatt. Statt Nachrichten aus Politik oder Weltgeschehen zeigte es Veränderungen in der Natur. Mal war ein Blatt frisch und leuchtend grün, mal begann es sich zu verfärben, und später im Jahr fanden sich vielleicht trockene, raschelnde Herbstblätter.

Das Projekt lud dazu ein, genauer hinzuschauen und die kleinen Veränderungen in der Natur wahrzunehmen. Ein einziges Blatt pro Woche reichte aus, um zu sehen, wie sich die Jahreszeiten langsam wandelten.

Juttas Wochenblatt war damit eine schöne Erinnerung daran, dass die Natur ihre eigenen Geschichten schrieb – man musste nur aufmerksam genug sein, sie zu entdecken.







Anne Seltmann 09.03.2026, 07.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Leben mit Büchern 2026 N° 01




Rezension zu „491 Tage: In den Tunneln der Hamas von Eli Sharabi

Ich lese viel. Sehr viel. Bücher begleiten mich seit Jahren – durch ruhige Tage, lange Abende und unzählige Geschichten. Manche berühren, manche erschüttern, manche bleiben eine Weile im Kopf. Aber eines ist mir noch nie passiert: dass ich beim Lesen plötzlich weinen musste.

Bis zu diesem Buch.

Als ich die letzten Seiten von 491 Tage: In den Tunneln der Hamas von Eli Sharabi erreichte, geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Ich musste das Buch kurz aus der Hand legen, weil mir die Tränen kamen. Nicht nur ein flüchtiges Schlucken oder feuchte Augen – es war ein richtiger emotionaler Ausbruch. Eine Welle aus Traurigkeit, Mitgefühl und Fassungslosigkeit.

Vielleicht lag es daran, dass dieses Buch keine Distanz zulässt. Während des Lesens wird einem immer wieder bewusst, dass das hier keine erfundene Geschichte ist, kein literarisches Konstrukt, sondern das reale Erleben eines Menschen. Die Vorstellung, 491 Tage in den Tunneln der Hamas gefangen zu sein, ist kaum zu begreifen. Und doch schafft es Eli Sharabi, diese Zeit so zu schildern, dass man sie zumindest ahnen kann – die Dunkelheit, die Angst, die Hoffnung, die sich manchmal nur an winzige Momente klammert.

Was mich am meisten getroffen hat, war nicht nur das Leid selbst, sondern die Menschlichkeit, die zwischen den Zeilen sichtbar wird. Die Verletzlichkeit, die Würde, das Festhalten an einem inneren Kern, selbst unter Umständen, die kaum vorstellbar sind.

Als ich mich dem Ende näherte, spürte ich eine immer stärker werdende emotionale Spannung. Und dann, auf den letzten Seiten, brach etwas auf, das ich beim Lesen noch nie erlebt hatte. Ich weinte – nicht nur um das, was Eli Sharabi durchmachen musste, sondern auch um das Bewusstsein, wie zerbrechlich menschliches Leben und Sicherheit sein können.

Dieses Buch hat mich tief berührt. Es hat mich innehalten lassen. Und es hat mir gezeigt, dass Literatur – oder in diesem Fall ein Zeugnis – die Kraft hat, eine Tür zu öffnen, hinter der Empathie, Schmerz und Mitgefühl gleichzeitig stehen.

Ich habe schon viele Bücher gelesen. Aber noch keines hat mich so emotional überwältigt wie dieses.




LmB...




Anne Seltmann 08.03.2026, 08.17 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Black and White März 2026



[Nikon Z 50]




pusteblumen

 

am morgen

tragen sie

ihr weißes flüstern

 

als hätte die nacht

tausend kleine

schirme geöffnet

 

über dem gras

 

ein wind

kommt vorbei

ohne eile

 

fragt nicht

 

nimmt nur

ein paar möglichkeiten

mit

 

und plötzlich

ist die wiese

 

voller lücken

 

in denen

neue wege

denken 

~*~

© Anne Seltmann













Anne Seltmann 07.03.2026, 09.32 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Floral Friday 2026 N° 03






Die kleine Magie schöner Blumensträuße

 

Ein schöner Blumenstrauß ist mehr als nur eine Sammlung von Blumen – er ist ein kleines Stück Freude. Schon beim ersten Blick entsteht dieses Gefühl von Frische, Farbe und Leben. Ein Strauß kann einen Raum verändern, ihn freundlicher, wärmer und irgendwie lebendiger machen.

Besonders charmant sind Sträuße, die nicht perfekt geschniegelt wirken. Wild gemischt, mit unterschiedlichen Höhen, Farben und Formen, erzählen sie fast eine kleine Geschichte. Zarte Blüten neben kräftigen Farben, vielleicht ein paar grüne Zweige dazwischen – genau diese Mischung macht ihren Reiz aus.

Blumensträuße begleiten uns durch viele Momente: als Geschenk, als Dankeschön oder einfach, um sich selbst eine Freude zu machen. Manchmal reicht schon eine Vase auf dem Tisch, um den Tag ein bisschen heller wirken zu lassen.

Vielleicht ist genau das ihr Geheimnis: Blumen erinnern uns daran, die kleinen, schönen Dinge im Alltag wahrzunehmen.





Anne Seltmann 06.03.2026, 06.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Take a seat N° 20







Bänke

sie stehen

als hätten sie nichts vor

 

zwischen bäumen

zwischen tagen

zwischen zwei gedanken

 

holz erinnert sich

an hände

an gewicht

an das, was sich kurz ablegt

 

eine bank weiß

wie lange

ein abschied dauert

 

wie still

ein nebeneinander sein kann

 

moos wächst

wo niemand mehr wartet

 

und doch

bleibt sie

 

offen

 

für den nächsten

der seine last

in die luft neben sich legt

~*~

© Anne Seltmann















Anne Seltmann 01.03.2026, 06.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Floral Friday 2026 N° 02



Chrysanthemen. Schon das Wort trägt etwas Feierliches in sich. Ein Rascheln von Seidenpapier. Ein Herbstlicht.

Der Name kommt aus dem Griechischen: „chrysós bedeutet Gold, „ánthos heißt Blüte. Goldblume also.
Nicht zufällig – die ersten wild wachsenden Formen, die man in China kannte, blühten leuchtend gelb. Wie kleine Sonnen, die beschlossen hatten, näher an der Erde zu bleiben. Von dort aus wanderten sie – über Jahrhunderte kultiviert und verehrt – nach Japan, wo sie bis heute kaiserliches Symbol sind. Und später nach Europa, wo sie still in unsere Herbstgärten einzogen.

Gold im Namen.
Licht im Klang.
Und vielleicht auch ein Versprechen:
Dass selbst im November noch etwas blühen darf.





Anne Seltmann 27.02.2026, 06.31 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Miau-velous Moments N° 57






Kater Stubbs war alles andere als ein gewöhnlicher Stubentiger.
Fast zwei Jahrzehnte lang galt er als inoffizieller Bürgermeister des kleinen Ortes Talkeetna in Alaska.

Ende der 1990er-Jahre hatten einige Einwohner genug von den menschlichen Kandidaten – also setzten sie kurzerhand ihr Vertrauen in einen einjährigen Kater. Was als augenzwinkernde Aktion begann, wurde zur echten Erfolgsgeschichte.

Politische Entscheidungen traf Stubbs natürlich keine, doch seine Wirkung war enorm: Er wurde zum Wahrzeichen des Ortes und lockte Besucher aus aller Welt an. Zu seinen täglichen „Amtsterminen gehörte der Abstecher in ein örtliches Restaurant, wo man ihm stilvoll Katzenminzwasser im Weinglas servierte.

Mehrfach entging er nur knapp dem Tod – unter anderem nach einem Hundeangriff, einer Schussverletzung und einem Sturz in eine (zum Glück ausgeschaltete) Fritteuse. Trotzdem blieb er über viele Jahre das pelzige Herz von Talkeetna.

2017 verabschiedete sich Stubbs im stolzen Alter von rund 20 Katzenjahren.
Ein Bürgermeister auf vier Pfoten – und eine Legende, die bis heute in Erinnerung geblieben ist.


Nachdem ich die Geschichte recherchierte, stellte ich fest, dass Stubbs fast so aussieht, wie der Kater auf meinem Foto. Das Foto entstand in Llorett de Mar [Spanien]

Die Geschichte ist real!















25.02.2026, 08.33 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

MosaicMonday 2026 N° 04




Das Nibelungentor in Worms [bereits schon einmal gezeigt)

 

Am Rand des Rheins erhebt sich das Nibelungentor wie ein steinernes Echo vergangener Zeiten. Errichtet um 1900 im Zuge der Rheinbrücke, trägt es nicht nur architektonische Schwere, sondern auch mythologische Aufladung in sich. Der Name verweist auf das Nibelungenlied – jene Sage von Treue, Verrat und Untergang, die mit Worms untrennbar verbunden ist.

 

Zwischen Türmen und Torbögen scheint Geschichte nicht abgeschlossen, sondern durchlässig. Wer hindurchgeht, betritt mehr als nur eine Brücke – es ist ein Übergang zwischen Erzählung und Gegenwart. Stein gewordene Erinnerung.

 

Der Hafentempel in Xanten

Im Archäologischen Park von Xanten erhebt sich der rekonstruierte Hafentempel als stiller Zeuge römischer Präsenz am Niederrhein. Einst lag hier der Hafen der Colonia Ulpia Traiana – Handel, Götterverehrung und Alltag trafen aufeinander.

Heute wirkt der Tempel fast meditativ. Säulen rahmen den Himmel, Schatten wandern über antike Linien. Der Ort erzählt von Verbindung: zwischen Fluss und Stadt, Mensch und Gottheit, Vergangenheit und Jetzt. Ein Raum, der nicht laut von Geschichte spricht – sondern sie atmet.


Eine alte Hütte am Kollhorst in Kiel

Versteckt zwischen Bäumen und Wiesen liegt sie – eine einfache, alte Hütte am Kollhorst. Holz, das Wind und Wetter getragen hat. Ein Dach, das Geschichten bewahrt. Hier scheint die Zeit langsamer zu gehen. Moos wächst unbeirrt, Licht fällt durch kleine Fenster, und irgendwo knarrt es leise. Vielleicht war sie Unterstand, vielleicht Rückzugsort, vielleicht nur ein Zweckbau. Doch in ihrer Schlichtheit liegt Würde – und eine stille Erinnerung daran, dass nicht alles glänzen muss, um Bedeutung zu haben.

 

Ein zerfallenes Haus in Niederweißbach

Hoch oben, verborgen im Wald über Niederweißbach, steht ein Haus, das langsam in die Stille zurücksinkt. Kein Wegweiser führt hin. Nur ein schmaler Pfad, überwuchert von Moos und Laub, deutet an, dass hier einmal Leben wa Die Fenster sind leer, der Putz bröckelt, das Dach hat dem Himmel kleine Öffnungen geschenkt. Zwischen den Dielen wächst Gras, als würde die Natur Raum für sich zurückfordern. Und doch liegt in diesen Mauern noch eine leise Wärme – als hätten Stimmen, Schritte und Atemzüge Spuren hinterlassen, die nicht ganz verschwinden wollen Von hier oben schweift der Blick weit ins Tal. Vielleicht war es einst ein Ort des Rückzugs, vielleicht ein Zuhause mit Aussicht. Heute ist es ein Zwischenraum – nicht mehr bewohnt, noch nicht vergessen. Ein Haus im Wald, das vom Vergehen erzählt. Und davon, dass selbst im Zerfall eine eigentümliche, stille Schönheit liegt.








Anne Seltmann 23.02.2026, 04.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL