Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Angela

Maritimer Mittwoch N° 253






 

Ein Sommertag in Laboe – oder: Manche Ausflüge werden einfach nie langweilig

Es gibt Orte, an denen man schon unzählige Male gewesen ist. So oft, dass man irgendwann aufhört zu zählen. Oder, wie man bei uns im Norden sagen würde: bestimmt schon zum Drölfhundertsten Mal.

Trotzdem stand heute wieder ein Ausflug nach Laboe auf dem Programm. Unsere Enkelkinder verbringen mit ihren Eltern gerade ein paar Urlaubstage hier in Kiel und was liegt da näher, als ihnen ein Stück unserer Heimat zu zeigen?

Schon am frühen Morgen ging es mit dem Fördedampfer über die Kieler Förde. Ich liebe diese Überfahrt jedes Mal aufs Neue. Während das Wasser leise gegen den Rumpf plätschert, zieht Kiel langsam vorbei und man hat sofort das Gefühl, dass der Alltag für ein paar Stunden Pause macht.

In Laboe angekommen, durfte natürlich das Marine-Ehrenmal nicht fehlen. Die vielen Stufen haben wir nach oben gemieden, es gibt ja Gott sei Dank einen Aufzug. Auf der Aussichtsplattform bietet sich ein herrlicher Rundumblick über die Kieler Förde, die Ostsee und die vorbeiziehenden Schiffe. Anfangs zeigte sich der Himmel noch eher grau und wolkenverhangen, doch nach und nach riss die Wolkendecke auf und die Sonne machte aus einem schönen Tag einen perfekten Sommertag.






Natürlich führte unser Weg auch wieder zum U-Boot U 995. Für uns ist es längst ein alter Bekannter. Trotzdem übt es jedes Mal eine besondere Faszination aus – und für die Kinder war es ohnehin ein spannendes Erlebnis. Es ist schön zu sehen, wie Geschichte plötzlich greifbar wird und Kinderaugen vor Neugier leuchten.

Zwischendurch durfte die kulinarische Seite eines Ostseeausflugs natürlich nicht fehlen. Erst stärkten wir uns mit köstlichen Crêpes, später gab es – wie sollte es an der Küste anders sein – leckere Fischbrötchen. Irgendwie schmecken sie am Meer einfach besser als irgendwo sonst.

Was mir an solchen Tagen besonders gefällt, sind gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten. Es sind diese kleinen Momente dazwischen: das gemeinsame Lachen, staunende Kinderblicke, der Wind, der einem um die Nase weht, das Kreischen der Möwen und dieses Gefühl, einfach gemeinsam unterwegs zu sein.

Laboe hat uns wieder einmal gezeigt, dass man nicht weit reisen muss, um einen wunderschönen Tag zu erleben. Manchmal genügt ein Fördedampfer, ein weiter Blick über die Ostsee und die Menschen, die einem am Herzen liegen.

Und auch wenn wir bestimmt schon zum Drölfhundertsten Mal dort waren – ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist. Manche Orte verlieren ihren Zauber einfach nie.




Anne Seltmann 29.07.2026, 06.56 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 252



Eine Möwe aus einer Zeit vor mir

Ich sortiere gerade die alten Fotos meiner Eltern.

Zwischen den vielen Aufnahmen blieb ich an einem Bild hängen: Möwen auf Usedom.

Mein Vater hat dieses Foto gemacht, als er noch ein junger Mann war. Er war damals mit meiner Mutter auf der Insel unterwegs. Ich war noch nicht geboren. Es war eine Zeit, in der ihre gemeinsame Geschichte gerade erst begann.

Während ich das Bild betrachte, frage ich mich, worüber sie damals gesprochen haben. Ob sie am Strand spazieren gingen, den Möwen zusahen oder einfach den Wind und das Meer genossen. Hatten sie schon Träume für die Zukunft? Haben sie geahnt, was das Leben für sie bereithalten würde?

Ein altes Foto ist mehr als ein eingefrorener Augenblick.

Es zeigt nicht nur, was zu sehen ist. Es erzählt von einer Zeit, die ich nur aus Erzählungen kenne – und doch gehört sie zu mir. Denn ohne diese Tage auf Usedom, ohne all die kleinen und großen Momente, die meine Eltern miteinander erlebt haben, gäbe es meine eigene Geschichte nicht.

Ich schaue auf die Möwe und sehe plötzlich nicht mehr nur einen Vogel am Meer. Ich sehe zwei junge Menschen, voller Zukunft, ohne zu wissen, welche Wege noch vor ihnen liegen würden.

Es berührt mich, dass ich heute, Jahrzehnte später, dieses Bild in den Händen halte.

Fotos können die Zeit nicht anhalten. Aber sie können sie für einen Augenblick wieder öffnen.

Und manchmal genügt eine einziges Bild mit Möwen, um sich auf eine Reise zu begeben – in eine Vergangenheit, die man selbst nie erlebt hat und die doch ein Teil der eigenen Geschichte geworden ist.

 

[Foto eingescannt und bearbeitet]



Anne Seltmann 22.07.2026, 00.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 250



 


Zwischen dir und dem Wind

 

so viel himmel

zwischen den linien

 

die segel

halten wind

ohne ihn zu besitzen

 

weiß

gegen blau

ein gespannter zustand

 

du siehst nach oben

und verlierst

den boden

 

nicht ganz

 

nur genug

um zu ahnen

 

dass richtung

nicht festliegt

 

sondern entsteht

 

im ziehen

im nachgeben

 

im offenen

 

zwischen dir

und dem wind


~*~

© Anne Seltmann





Angelas...





Anne Seltmann 22.04.2026, 22.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 249




 

Als der Strandkorb laufen lernte

In den Anfangsjahren war der >> Strandkorb << noch ein Luxusgut.
Wer darin sitzen wollte, musste ihn nicht nur mieten – er wurde oft eigens zum gewünschten Platz getragen.

An vielen Badeorten gehörte es deshalb lange zum Strandbild, dass Angestellte morgens Dutzende Strandkörbe an den Strand schleppten, sie nach Sonnenstand ausrichteten und abends wieder einsammelten.

Später bekamen viele Modelle kleine Rollen oder wurden auf Schienen bewegt, damit man sie leichter dem Wind oder der Sonne anpassen konnte.

Und bis heute gibt es an manchen Küstenorten die Tradition, dass Strandkörbe morgens „ausgerichtet und abends wieder geschlossen werden – fast wie ein kleines tägliches Ritual.

So wurde aus einem schlichten Schutzmöbel ein Kultobjekt mit eigener Choreografie.









Anne Seltmann 15.04.2026, 06.29 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 241



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann] 


Klön & Krümel

 

Am frühen Morgen stand die kleine blaue Hütte "Klön & Krümel" still am Strand, nur Mathilda war drinnen – die Einzige, die Zutritt hatte. Die Möwen, scheinbar gut informiert, landeten schon am Fenster und begutachteten kritisch jede Bewegung der Besitzerin. Kaum hatte Mathilda die erste Tasse Kaffee durch das Fenster gereicht, stürzten sich zwei besonders freche Möwen auf die Serviette mit einem Keks, dass Mathilda nur noch lachen konnte.

"Na gut, ihr Nasenbären, aber nur einen Keks pro Runde!", rief sie durch das Fenster, und die Möwen kreischten empört, als hätten sie sie nicht verstanden. Die Kunden draußen lachten, hielten ihre Tassen fest in den Händen und zwangen die Möwen zu einer respektvollen Distanz – zumindest für eine Minute.

Jeder neue Besucher wurde von den Vögeln beäugt wie von kleinen Kontrolleurinnen, die prüften, ob der Kaffee und die Kuchenstücke auch richtig verteilt wurden. Mathilda balancierte Tassen, Löffel und Kekse mit erstaunlicher Gelassenheit, während die Möwen versuchten, jeden unbeobachteten Moment für einen kleinen Raub zu nutzen.

So verging der Vormittag: Lachen, kreischende Möwen, warme Tassen Kaffee, ein paar gestohlene Kekse – und ein Strand, an dem alle draußen standen, den Wind spürten, das Meer hörten und die kleine, freche Magie von "Klön & Krümel" genossen. Mathilda hinter der Theke war die ruhige Königin dieses Chaos, die Einzige, die alles unter Kontrolle hatte – zumindest bis zur nächsten Möwenattacke.




© Anne Seltmann 










Anne Seltmann 17.12.2025, 07.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 240






ich träume mich an den strand,
nicht in postkartenfarben,
sondern in diese leise fläche,
die von weite spricht,
ohne ein wort zu kennen.

 

das meer nimmt meine gedanken auf,
wie ein archiv der dinge,
die nie gesagt wurden.
es lässt sie treiben,
knapp unter der oberfläche,
wo sie nicht entscheiden müssen
zwischen sinken und schweben.

 

ich träume mich an den strand,
wo jede welle ein versuch ist,
neu zu beginnen,
wo das salz sich mischt
mit dem, was ich festhalte
und dem, was ich endlich loslasse.

 

vielleicht bin ich nicht angekommen.
vielleicht reicht es,
in der bewegung zu bleiben,
dorthin zu träumen,
wo das meer spricht:
wirf dich hinein.
ich trag dich eine weile.


~*~


© Anne Seltmann



 




Anne Seltmann 26.11.2025, 08.38 | (7/5) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 239




Wenn man nach Eckernförde (unweit von mir entfernt) kommt, fühlt es sich ein bisschen an, als würde die Zeit einen Gang zurückschalten. Diese kleine Stadt an der Ostsee hat etwas Unaufgeregtes, Echtes – nichts wirkt gestellt, nichts glänzt zu sehr. Vielleicht liegt es an dem sanften Rauschen der Förde, vielleicht an den Möwen, die sich lautstark über den Booten am Hafen streiten, während man mit einem Kaffee in der Hand einfach dasteht und zusieht.

Ich mag besonders die Altstadt. Sie ist überschaubar, aber voller Leben. Zwischen den alten Backsteinfassaden duftet es nach frischem Gebäck, Fischbrötchen und ein bisschen nach Salzluft. Manchmal spielt jemand Straßenmusik, manchmal ist es einfach nur still – aber nie leer. Die kleinen Läden und Cafés wirken so, als gehörten sie schon immer hierher. Und vielleicht tun sie das auch.



Am Hafen spürt man Eckernförde am deutlichsten. Fischerboote, Segler, Möwen und Touristen mischen sich zu einem angenehmen Durcheinander. Es gibt Menschen, die schwören, nirgends schmeckt der Fisch so frisch wie hier direkt vom Kutter – und sie haben recht. Ich stand da, mit fettigen Fingern und einem Lächeln, während die Sonne langsam über dem Wasser hing.

Nur wenige Schritte weiter liegt der Strand. Fein, weit, friedlich. Kein überfülltes Postkartenmotiv, sondern einfach ein Stück Ostsee zum Durchatmen. Man kann Muscheln sammeln, in die Ferne schauen oder einfach den Wind im Gesicht spüren – und wenn man Glück hat, zieht ein Segelboot vorbei, so ruhig, als hätte es ewig Zeit.



Eckernförde ist keine Stadt, die laut um Aufmerksamkeit bittet. Sie flüstert – in den Wellen, im Knarren der Holzstege, in den schmalen Gassen. Und genau das macht sie so schön.

Vielleicht ist das ihr Geheimnis: Eckernförde will nichts sein, es **ist** einfach. Und das reicht völlig.











Anne Seltmann 12.11.2025, 10.22 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 238








meerweite

ich stehe
wo das wasser beginnt
und alles andere aufhört

die weite ist kein ort
sie ist ein denken in blau
ein vergessen der richtung

möwen kreisen
als wüssten sie
dass auch kreise
endlich sind

das meer trägt
und nimmt
im selben moment

ich bleibe
im wind
unentschieden
zwischen schritt
und schweben


~*~

© Anne Seltmann





Angelas...



Anne Seltmann 08.10.2025, 08.46 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 237









das wasser hält den himmel
wie eine zweite haut,
spiegel und widerspruch zugleich.

ein segel, weiß,
durchschneidet das leuchten,
hält das gleichgewicht
zwischen stille und weggehen.

kein ufer ruft,
kein horizont verspricht,
nur dieser atem aus licht,
der alles trägt,
und die hand, unsichtbar,
die dich weiterführt.


~*~


© Anne Seltmann





Anne Seltmann 17.09.2025, 10.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 236





Bloß ein oller Kahn!









Anne Seltmann 03.09.2025, 15.40 | (0/0) Kommentare | TB | PL