Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: 202

Projekt: Ich seh rot 256/2026






Leider weiß ich nicht mehr wo ich diesen Postkasten entdeckt habe.

Manchmal bleiben meine Gedanken an ganz alltäglichen Dingen hängen. Neulich zum Beispiel am Postkasten – oder heißt es eigentlich Briefkasten? Während ich darüber nachdachte, merkte ich, dass ich beide Wörter ganz selbstverständlich benutze, ohne je wirklich darüber nachgedacht zu haben, woher sie kommen oder ob sie vielleicht sogar unterschiedliche Dinge meinen.

Der Briefkasten ist sprachlich der einfachere und ältere Begriff. Er beschreibt schlicht einen Kasten, in dem Briefe landen. Früher hing so ein Kasten meist direkt am Haus – dort, wo der Postbote seine Sendungen einwarf. Und genauso kennen wir ihn bis heute: als den kleinen Kasten an der Haustür oder am Gartenzaun.

Der Postkasten dagegen entstand mit der Entwicklung des organisierten Postwesens. Als im 19. Jahrhundert immer mehr Briefe verschickt wurden, stellte die Post öffentliche Kästen auf Straßen und Plätzen auf. In diese konnte man seine Briefe einwerfen, damit sie von der Post abgeholt und weitertransportiert wurden. Weil diese Kästen zur Post gehörten, nannte man sie Postkästen.

So hat sich im Alltag ganz still eine kleine Unterscheidung entwickelt:

Der Briefkasten hängt am Haus – der Postkasten steht auf der Straße.

Übrigens reicht die Idee solcher Einwurfkästen viel weiter zurück, als man denkt. Einer der ersten bekannten Briefkästen wurde bereits 1653 in Paris aufgestellt. Seitdem begleiten uns diese unscheinbaren Kästen durch den Alltag – meistens unbemerkt, manchmal aber auch voller kleiner Überraschungen.






Anne Seltmann 10.03.2026, 15.32 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Black and White März 2026



[Nikon Z 50]




pusteblumen

 

am morgen

tragen sie

ihr weißes flüstern

 

als hätte die nacht

tausend kleine

schirme geöffnet

 

über dem gras

 

ein wind

kommt vorbei

ohne eile

 

fragt nicht

 

nimmt nur

ein paar möglichkeiten

mit

 

und plötzlich

ist die wiese

 

voller lücken

 

in denen

neue wege

denken 

~*~

© Anne Seltmann













Anne Seltmann 07.03.2026, 09.32 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 255/2026







Während des Zweiten Weltkriegs war der französische Pilot Antoine de Saint-Exupéry (Autor von Der kleine Prinz) von seiner Frau Consuelo getrennt. Ihre Beziehung war leidenschaftlich, kompliziert und voller Trennungen.

 

Consuelo erzählte später, dass Antoine ihr immer wieder rote Rosen schenkte – selbst in schwierigen Zeiten. Die Rose wurde für sie zum Symbol ihrer Liebe: schön, verletzlich, voller Dornen.

 

Viele Literaturhistoriker sehen in der Rose des „Kleinen Prinzen ein Symbol für Consuelo selbst – einzigartig, geliebt, manchmal schwierig, aber unersetzlich.

 

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

 

Die rote Rose wurde hier nicht nur zur Liebesgabe, sondern zu einem literarischen Symbol, das bis heute Millionen Menschen bewegt.

 

Eine reale Liebesgeschichte – Die Rose im Gefangenenlager





Juttas...







Anne Seltmann 03.03.2026, 00.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 255/2026







enjoy your life,
flüstert der morgen
durch halb geöffnete vorhänge

 

nicht laut
nicht grell
eher wie staub im licht

 

enjoy your life,
sagt die tasse kaffee
in deiner warmen hand

 

bevor du rennst
bevor du planst
bevor du wieder funktionierst

 

es sind nicht die großen bühnen
nicht die perfekten tage

 

es ist der blick
der einen moment
nicht weiter schiebt

 

enjoy your life

jetzt
nicht später
nicht wenn alles stimmt

 

jetzt
wo es unordentlich
und echt ist

~*~

© Anne Seltmann




 

Juttas...



Anne Seltmann 24.02.2026, 08.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Black and White Februar 2026









Piktogramme – Von der Höhlenwand zum kreativen Designstatement

Wir begegnen ihnen täglich – auf Flughäfen, in Apps, auf Verpackungen, in Museen oder auf Straßenschildern.

Piktogramme sind aus unserem visuellen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch während sie früher vor allem funktional waren, zeigen sie sich heute überraschend kreativ, verspielt und stilistisch vielfältig.

Aber wer hat sie eigentlich erfunden?

Der Ursprung der Bildzeichen

Streng genommen sind Piktogramme älter als jede Schrift. Schon in prähistorischen Höhlenmalereien wurden Informationen über Bilder vermittelt. Später entwickelten Hochkulturen wie die Ägypter mit ihren Hieroglyphen komplexe Bildzeichensysteme.

Als moderner Gestaltungsansatz wurden Piktogramme jedoch besonders im 20. Jahrhundert geprägt – vor allem durch den österreichischen Sozialwissenschaftler und Philosophen Otto Neurath.

Er entwickelte in den 1920er-Jahren gemeinsam mit dem Grafiker Gerd Arntz das sogenannte Isotype-System (International System Of Typographic Picture Education).

Die Idee dahinter war revolutionär: Informationen sollten so einfach und international verständlich wie möglich über reduzierte Bildsymbole vermittelt werden – unabhängig von Sprache oder Bildung.

Klare Formen, starke Kontraste, maximale Vereinfachung – das war das Prinzip.

Der große Durchbruch

Internationale Aufmerksamkeit erhielten Piktogramme vor allem durch Großveranstaltungen.

Ein Meilenstein war das visuelle Leitsystem der Olympischen Spiele 1972 in München, gestaltet von Otl Aicher für die Olympische Sommerspiele 1972.

Seine systematisch aufgebauten, geometrisch reduzierten Sport-Piktogramme gelten bis heute als Designklassiker. Sie waren funktional, einheitlich und weltweit verständlich – ein Meilenstein der visuellen Kommunikation.

Vom Funktionssymbol zur Designikone

Lange Zeit galt: Piktogramme müssen neutral, sachlich und möglichst unsichtbar sein.

Form folgt Funktion.

Doch mit der Digitalisierung und dem Aufkommen von Apps, Social Media und Markeninszenierungen hat sich das stark verändert.

Heute dürfen Piktogramme:

 

* Charakter zeigen

* Humor transportieren

* Emotionen wecken

* Markenidentität stärken

* Illustrativ und detailreicher sein

Flat Design, 3D-Icons, animierte Symbole, handgezeichnete Linien, Farbverläufe – die einst strengen Gestaltungsregeln werden bewusst erweitert.


Warum sehen Piktogramme heute kreativer aus?

 

1. Digitale Oberflächen erlauben mehr Detailreichtum

2. Marken wollen sich visuell differenzieren

3. Nutzer sind visuell geschult und erwarten Ästhetik

4. Gestaltung wird zunehmend als Erlebnis verstanden

5. KI-Tools eröffnen neue Formensprachen und Stilvarianten

 

Das moderne Piktogramm ist nicht mehr nur Wegweiser – es ist Teil einer visuellen Erzählung.

Zwischen Klarheit und Kreativität

Die Herausforderung bleibt jedoch:

Ein Piktogramm muss trotz gestalterischer Freiheit verständlich bleiben.

Je kreativer es wird, desto wichtiger ist die Balance zwischen Ästhetik und Lesbarkeit.

Das beste Piktogramm funktioniert international – und überrascht gleichzeitig durch seine Gestaltung.

Fazit

Von prähistorischen Wandzeichnungen über das Isotype-System von Otto Neurath bis hin zu animierten App-Icons unserer Zeit – Piktogramme haben eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen.

Was einst als nüchternes Informationssymbol begann, ist heute ein kreatives Gestaltungselement mit Persönlichkeit geworden.

Und vielleicht liegt genau darin ihre Zukunft:

Nicht nur Orientierung zu geben, sondern auch visuelle Freude zu bereiten.



Marius...






Anne Seltmann 15.02.2026, 09.26 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 254/2026






Zu meiner Montags-Collage "MosaikMonday"fehlte noch das Lafayette, dass ich beim Stöbern meiner Bilder noch gefunden habe.

Die Galeries Lafayette sind mehr als ein Kaufhaus – sie sind ein Erlebnis mitten in Paris. Unter der berühmten gläsernen Kuppel treffen Eleganz, Mode und Architektur aufeinander. Zwischen Luxus, Design und Pariser Flair spürt man den besonderen Zauber dieses Ortes, der selbst zum Staunen einlädt – auch ganz ohne Einkaufstaschen.

Die Galeries Lafayette beeindrucken besonders durch ihre außergewöhnliche Glaskuppel, die das Innere mit farbigem Licht durchflutet und den Blick nach oben fast automatisch anzieht. Die kunstvoll gestalteten Jugendstil-Elemente machen sie zu einem architektonischen Highlight. Entworfen wurde das Kaufhaus von den Architekten Georges Chedanne und Ferdinand Chanut, die mit der Kuppel ein Bauwerk schufen, das bis heute Eleganz, Innovation und Pariser Grandezza vereint.

Je nach Jahreszeit ist die Kuppel festlich und fantasievoll geschmückt, was jeden Besuch aufs Neue besonders macht und dem Haus immer wieder ein anderes Gesicht verleiht.





Juttas...


Anne Seltmann 10.02.2026, 06.33 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 253/2026





Wartezimmer: Der Übergang zwischen Geduld und Genesung 







Anne Seltmann 03.02.2026, 07.52 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 252/2026










Alles Theater

 

staub im licht

der probe

 

bretter

die schon mehr wissen

als wir

 

stimmen

wärmen sich

an fremden sätzen

 

ein schritt zu viel

und es wird rolle

 

kostüme hängen

geduldig

voller möglichkeiten

 

hinter dem vorhang

atmen wir anders

 

lampen

machen aus nervosität

präsenz

 

applaus

ist ein geräusch

für später

 

jetzt

stehen wir da

im spiel

 

und hoffen

dass etwas von uns

durchkommt

~*~

© Anne Seltmann













Anne Seltmann 27.01.2026, 14.09 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 251/2026





2021 waren wir auf Rügen und haben einige Ortschaften erkundet, so auch Sassnitz.

Dort wurde im Sassnitzer Hafen traditionell zum Molenlauf aufgerufen – und jedes Jahr aufs Neue ist das ein ganz besonderes Ereignis. Sobald der Termin feststeht, liegt ein bisschen Aufregung in der Luft. Denn der Molenlauf gehört hier einfach dazu, wie das Meer, die Kreidefelsen und der frische Wind.

Schon früh am Morgen füllt sich der Hafen mit Leben. Läuferinnen und Läufer, Familien, Zuschauer und neugierige Urlaubsgäste treffen zusammen. Es ist immer eine schöne Mischung aus sportlichem Ehrgeiz und fröhlicher Gelassenheit. Viele kennen sich, andere sind zum ersten Mal dabei, aber alle teilen die gleiche Vorfreude.



Die Strecke entlang der Mole ist etwas ganz Besonderes. Links das Meer, rechts der Hafen – dazu das Kreischen der Möwen und der typische Geruch von Salz und Seeluft. Wer hier läuft, spürt einfach, dass dieser Ort etwas Einzigartiges hat. Es geht nicht nur um Zeiten und Platzierungen, sondern vor allem um das gemeinsame Erlebnis.

Auch für Zuschauer ist der Molenlauf ein kleines Highlight. Man feuert an, trifft Bekannte, trinkt vielleicht einen Kaffee und genießt die Atmosphäre. Der Hafen zeigt sich von seiner lebendigsten Seite, und für ein paar Stunden dreht sich alles um Bewegung, Spaß und Gemeinschaft.

Am Ende kommen alle wieder zusammen – erschöpft, aber glücklich. Genau das macht den Molenlauf in Sassnitz aus: Er ist mehr als nur eine Sportveranstaltung. Er ist Tradition, Begegnung und ein Stück Heimatgefühl. Und deshalb freuen sich jedes Jahr so viele Menschen darauf, wenn es wieder heißt: Auf zum Molenlauf!



Juttas...

...ehemaliges Projekt




Anne Seltmann 20.01.2026, 06.53 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Projekt: Ich seh rot 250/2026



Ich gehe gern in den Baumarkt.
Nicht, weil ich mich verirrt habe... sondern aus Überzeugung.

Da drin fühle ich mich wie eine Mischung aus
"Selbst ist die Frau" und "Ich weiß noch nicht, wie… aber ich kriege das hin!"





Ich schlendere durch die Gänge, rieche Holz, sehe Werkzeug
und plötzlich habe ich zehn neue Ideen:
Regal bauen, Wand streichen, irgendwas reparieren,
vielleicht sogar ein Projekt, das ich noch gar nicht besitze.

Andere sagen:
"Baumarkt? Nein danke. Zu laut, zu staubig, zu viel Auswahl."



Ich dagegen denke:
Das ist kein Laden—das ist ein Ort voller Möglichkeiten.
Und ja: Manchmal kaufe ich mehr, als geplant war.
Manchmal baue ich auch erst beim dritten Versuch richtig.

Aber jedes Mal gehe ich raus mit dem Gefühl:
Ich kann das! Und wenn nicht heute... dann lerne ich's eben.



Kurz gesagt:
Boutiquen sind schön…
aber im Baumarkt bekomme ich Power, Ideen
und ein kleines bisschen Königin-Gefühl mit Schraubenzieher.











Anne Seltmann 06.01.2026, 06.43 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL